• Not-Groschen für Bauern im Spreewald Obolus von den Touristen sollLandwirtschafthelfen

Boxen : Not-Groschen für Bauern im Spreewald Obolus von den Touristen sollLandwirtschafthelfen

Claus-Dieter Steyer

Lübbenau - Der Ausflug in den Spreewald könnte künftig etwas teurer werden. Denn zur Rettung der Lagunenlandschaft sollen Touristen einen Obolus entrichten. „Sie profitieren am meisten von der Schönheit“, sagt Holger Bartsch, Landrat des Kreises Oberspreewald-Lausitz. „Deshalb dürfte ihnen ein Beitrag von 50 Cent, einem Euro oder 1,50 Euro nicht schwer fallen.“ Das Geld soll vor allem der Landwirtschaft zugute kommen, die vor dem Ende steht. „Den Anfang sollen die Kahntouristen machen“, schlägt der Landrat vor. „Die zahlen etwas mehr für ihre Fahrten, und der Fährmann rechnet das zusätzlich eingenommene Geld ab.“ Die Mieter von Paddelbooten und Fahrrädern könnten folgen.

Die Idee ist nicht ganz neu. Schon Mitte der neunziger Jahre löste der Vorschlag einer „Spreewald-Mark“ heftige Diskussionen aus. Damals erklärten sich zwar in einer Umfrage 75 Prozent der Gäste zu einem solchen Beitrag bereit, aber die Fährleute boykottierten das Projekt. Es würde einen zu „hohen bürokratischen Aufwand“ bedeuten, hieß es. Aber viele der 750 Fährleute fürchteten wohl eher einen zu genauen Blick auf ihre Einnahmen. Anhand der verkauften „Spreewald-Märker“ hätten das Finanzamt und die Konkurrenten sehen können, wie viele Karten verkauft wurden. Denn Tickets als Beleg gibt es im Kahn nicht.

Der Zwang zu zusätzlichen Einnahmen war damals auch nicht allzu groß, Bauern und Naturschützer bekamen genug von Bund, Land und EU. Heute ist da nicht mehr viel zu holen.

„Doch ohne Bauern wird der Spreewald zur Wildnis“, sagt Eugen Nowak, Verwaltungschef des Biosphärenreservats, das von der Unesco als besonders schützenswert anerkannt ist. „Sie mähen die Wiesen, treiben das Vieh auf die Weiden, halten die Fließe in Ordnung und produzieren die für das Image so wichtigen Gurken.“ Die Kosten für den Transport der Tiere, des Futters und der Ernte auf den schmalen Fließen stehen aber in keinem Verhältnis zu den Erträgen. Der Einsatz großer Maschinen ist auf den kleinen Feldern nicht möglich.

Zu DDR-Zeiten bezahlte der Staat den Bauern die Ernte. „Damals konnten sich meine Frau und ich zwei Autos leisten, jetzt teilen wir uns ein Fahrrad“, beschreibt Bauer Arno Kilka aus Lehde bei Lübbenau seine Lage. Da sei es logisch, dass sich keine jungen Leute für die Höfe finden. In Leipe, wo einst 30 Landwirte die Felder bestellten, arbeiten noch sechs Bauern. „Wir entwickeln uns ganz unfreiwillig zum Museum“, beklagt Manuela Filkow, Vorsitzende des Dorf-Fördervereins in Lehde.

Das Land Brandenburg kann nur wenig helfen. „Ökonomisch lohnt sich die Landwirtschaft im Spreewald nicht“, sagt Agrarminister Wolfgang Birthler (SPD). „Aber die Kulturlandschaft muss für die nachfolgenden Generationen erhalten bleiben.“ Doch die Suche nach Geldquellen hat gerade erst begonnen. Biosphären-Chef Nowak schlägt eine Spreewald-Stiftung vor. Gerhard Schippan von der Entwicklungsgesellschaft Burg sieht Chancen in der Öffnung der Bauernhöfe für Gesundheits- und Wellness-Touristen, für internationale Kooperationen und ein stärkeres Zusammenwirken der ganzen Region.

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