Boxen : Notbremse für die A 24

Tempo 130 und Überholverbot für Lkw sollen die Autobahn nach Hamburg sicherer machen

Claus-Dieter Steyer

Neuruppin. Harte Zeiten für Raser: Auf der Autobahn A 24 will die Polizei das neue Tempolimit mit Nachdruck durchsetzen – und sowohl mit stationären als auch mit mobilen Radargeräten Temposünder erfassen. Grund für die Jagd auf Raser ist die in dieser Woche angeordnete Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit auf 130 Kilometer pro Stunde auf Teilen der Strecke.

Betroffen ist der rund 73 Kilometer lange Abschnitt zwischen den Dreiecken Havelland und Wittstock/Dosse. Zusätzlich dürfen Lastwagen in der Zeit zwischen 6 und 21 Uhr vom Dreieck Havelland bis zur Ausfahrt Neuruppin andere Fahrzeuge nicht überholen. „Das ist keine Gängelung der Bürger“, sagt Innenminister Jörg Schönbohm (CDU), der sich persönlich für die neue Regelung eingesetzt hatte. „Es geht um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer, die anders nicht mehr zu gewährleisten war.“ Eine hohe Zahl von Unfällen sei dafür Beweis genug.

Bislang konnte der Streckenabschnitt mit einer beliebigen Höchstgeschwindigkeit befahren werden, wenn die Verkehrsdichte überhaupt ein Tempo jenseits der 120 zuließ. Zusammen mit den „130“-Schildern stellte die Polizei hinter der Ausfahrt Kremmen eine zusätzliche Tafel auf: „2002 bis AD Wittstock/Dosse 788 Unfälle, 8 Tote, 212 Verletzte.“ Diese Angaben beziehen sich auf den Zeitraum von Beginn dieses Jahres bis Anfang Dezember. Sechs der acht Opfer starben Ende Juli bei einem einzigen Unfall in der Nähe von Kremmen. Ein Busfahrer war mit seinem leeren Fahrzeug auf das Ende eines Staus gerast und hatte dabei mehrere Autos zusammengeschoben. Fünf Kinder verloren dabei ihr Leben.

Laut Statistik geht die Zahl der Unfälle auf dem betreffenden Abschnitt zwischen den beiden Dreiecken seit 1999 sogar zurück. Wurden damals 1502 Unfälle mit acht Toten und 134 Schwerverletzten gezählt, waren es im Jahr 2000 noch 1240 Karambolagen (sieben Tote, 101 Schwerverletzte) und im vergangenen Jahr 1195 Unfälle mit elf Toten und 103 Schwerverletzten. Im Vergleich mit anderen Brandenburger Autobahnen ist die A 24 aber immer noch die gefährlichste Strecke. Der dreistreifige Ausbau der Verbindungen nach Hannover (A 2) und Leipzig (A 9) sowie des südlichen Berliner Rings hat dort die Verkehrssicherheit wesentlich erhöht.

Die Autobahn Berlin-Hamburg besitzt dagegen nur zwei Fahrspuren pro Richtung. „Zu bestimmten Tages- und Wochenzeiten reicht die Kapazität nicht mehr aus“, sagt Hans-Reinhard Reuter, Direktor des Brandenburgischen Autobahnamtes. „Es kommt auch ohne Unfälle zu Staus, weil auf der Straße einfach zu viele Autos unterwegs sind.“ Fast 53 000 Fahrzeuge passieren pro Tag das Dreieck Havelland, in Höhe Neuruppin sind es immerhin noch 40 000. Sie werden frühestens im Jahre 2008 durchgängig eine dritte Fahrspur nutzen können. Denn erst 2005 sollen die Bagger anrollen. Bis dahin läuft das Planfeststellungsverfahren, um auf jeder Seite die Autobahn um mindestens dreieinhalb Meter zu verbreitern. Die Baukosten sollen zunächst private Geldgeber vorschießen, die ihr Geld dann aus der künftigen Lkw-Maut zurückerhalten.

Bis zur Fertigstellung der dritten Spuren dürfte der Verkehr nicht zuletzt wegen der EU-Erweiterung noch weiter zunehmen. „Auch deshalb zogen wir jetzt die Notbremse“, erklärte ein Polizeisprecher.

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