• Nur Ausländer können den Tourismus ankurbeln Neue Studie zu Fremdenverkehr in Brandenburg

Boxen : Nur Ausländer können den Tourismus ankurbeln Neue Studie zu Fremdenverkehr in Brandenburg

Claus-Dieter Steyer

Brand - Der Brandenburger Tourismus hat nur eine Chance, wenn er künftig viel stärker die Gäste „mit einem großen Netz umgarnt“. Mit diesem symbolischen Bild fasste der Ostdeutsche Sparkassen- und Giroverband die Ergebnisse seines gestern in Brand (Landkreis Dahme-Spreewald) vorgestellten Tourismusbarometers zusammen. Die Hotels und Informationszentren sollten intensiver als bisher mit Naturparks, Schlössern, Burgen, Bädern, Museen, Freizeitparks oder Einzelhändlern kooperieren. Nur so könne der leichte Abwärtstrend bei den Übernachtungszahlen gestoppt werden.

Große Potenziale sieht das Deutsche Wirtschafts- und Forschungsinstitut (Dwif), das das Barometer im Auftrag der Sparkassenorganisation erstellte, in der Werbung um Ausländer. „Auch im Jahre 2015 werden zwar ein Drittel aller Touristen Ziele im Inland aufsuchen“, sagte Dwif-Geschäftsführer Matthias Feige. Zuwachs könne aber nur im Ausland gewonnen werden. Doch ausgerechnet bei diesem wichtigen Faktor zeigt das Barometer für Brandenburg im Gegensatz zum Deutschlandtrend nach unten. 11,1 Millionen ausländische Tagesbesucher registrierte das Institut im ersten Halbjahr 2005, nach 11,8 Millionen im Vorjahreszeitraum. Auch die Zahl der Berliner Tagesausflügler sank in den ersten sechs Monaten um eine Million auf 55,3 Millionen – was allerdings auch am verregneten Sommer liegen dürfte.

Die Berliner bleiben mit Abstand die wichtigsten Kunden für die Brandenburger Tourismusanbieter. Die Sachsen folgen abgeschlagen mit rund acht Millionen Tagesbesuchern. Die Tagesausflügler geben im Schnitt nur 20,10 Euro aus. Deutschlandweit liegt die Zahl bei 28,50 Euro. Die Gastronomie profitiert mit 7,60 Euro am stärksten vom Tagesbudget.

Am meisten können sich die Hotels und Pensionen im Ruppiner Land, im Oder-Spree-Seengebiet, in der Uckermark und in Potsdam freuen. Seit sieben Jahren steigen dort die Übernachtungszahlen. Gegenteilig sieht es im Fläming, im Havelland und im Dahme-Seengebiet aus. Der Spreewald hat sich nach einem leichten Rückgang 2002 und 2003 jetzt wieder stabilisiert. Eine „Kannibalisierung“ stellen die Forscher im Wettbewerb der Thermal- und Erlebnisbäder fest. Obwohl der Markt gesättigt sei, kämen weitere Anlagen dazu. Zu den neuen Anbietern zählen „Tropical Islands“ in der früheren Cargolifter-Halle und das in wenigen Wochen öffnende Thermalbad in Burg im Spreewald.

Eine Vielzahl von Hotels und Pensionen ist nach Erkenntnissen der Sparkassen verschuldet oder sogar überschuldet. Rund 8,3 Prozent vom Umsatz müssten für die Tilgung von Krediten aufgebracht werden. In Schleswig-Holstein und Niedersachsen liegt dieser Wert nur bei rund fünf Prozent. Entsprechend niedrig fällt auch der Gewinnanteil aus. Im Brandenburger Durchschnitt weisen die Bilanzen dafür lediglich 9,4 Prozent des Umsatzes aus, in Mecklenburg-Vorpommern immerhin fast 18 Prozent. Die Hoteliers beklagen sich über die hohen Energiekosten, die kommunalen Abgaben und schlechte Infrastruktur. Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) zog aus dem Barometer eine „entscheidende Schlussfolgerung“: Die Qualität der touristischen Angebote ist wichtiger denn je.

0 Kommentare

Neuester Kommentar