OB-Kandidat Scharfenberg : "Natürlich habe ich noch Chancen"

Hans-Jürgen Scharfenberg (Linke) konnte in Potsdam ein Drittel der Wähler von sich überzeugen. Nun will er zusätzliche Reserven mobilisieren.

Herr Scharfenberg, haben Sie nach diesem Wahlergebnis noch die Chance, Potsdams neuer Oberbürgermeister zu werden?

Natürlich habe ich noch Chancen. Ich nehme aber zur Kenntnis, dass es einen Abstand zwischen mir und dem Amtsinhaber gibt. Doch jede Wahl ist eine neue Wahl. Denken Sie an 2002: Damals war der Abstand zwischen Jann Jakobs und mir noch viel größer als heute. Am Ende war es dann aber doch sehr knapp.

Doch das Ergebnis ist eindeutig. Wie ist Ihr Gefühl: Sind Sie enttäuscht oder zufrieden?

Ich bin nicht unzufrieden, mit etwas mehr als 30 Prozent habe ich gerechnet. Zugleich kann ich aber nicht verhehlen, dass ich mir einen geringeren Abstand zwischen Jakobs und mir gewünscht hätte.

Wie bewerten Sie das Wahlergebnis?

Wie erwartet kommt es zur Stichwahl. Es zeigt sich wieder, dass Linke und SPD mit Abstand stärkste Parteien in Potsdam sind. Die einzige Überraschung ist, dass die bürgerlichen Kandidaten von CDU, FDP und den Grünen entgegen der Prognosen so wenige Stimmen erhalten haben. Aus diesem Lager hat Jakobs Stimmen bekommen. Die niedrige Wahlbeteiligung bedaure ich.

Wie wollen Sie in den kommenden beiden Wochen noch mehr Wähler überzeugen?

Ich bin überzeugt, dass es auch bei unserer Wählerschaft noch Mobilisierungsreserven gibt. Und natürlich wird es weiter um die Frage gehen, wer die bessere Politik für diese Stadt macht.

Glauben Sie, dass Ihre Vergangenheit als Stasi-Mitarbeiter Stimmen gekostet hat?

Das ist Spekulation. Bei den Diskussionen mit Bürgern im Vorfeld der Wahl spielte das Thema keine Rolle. Das ist eher ein Thema der Medien. In diesem Zusammenhang möchte ich mich bei allen Kandidaten für den fairen Wahlkampf bedanken.

Das Interview führte Henri Kramer

Hans-Jürgen Scharfenberg (56) führt die Linke-Fraktion im Stadthaus und sitzt im Landtag. Der gebürtige Sachse bewirbt sich zum zweiten Mal um das Amt des Oberbürgermeisters.

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