Boxen : OB-Wahl in Cottbus: Das Ende einer Ära

Sandra Dassler

Manche nennen es eine "politische Sensation" andere einen "längst überfälligen Schritt" - und alle sprechen vom "Ende einer Ära": Der Cottbusser Oberbürgermeister Waldemar Kleinschmidt (CDU) will auf eine erneute Kandidatur bei der OB-Wahl im Februar kommenden Jahres verzichten. Kleinschmidt war in den vergangenen Monaten immer wieder in die Kritik geraten. Seine Gegner warfen ihm unter anderem die anhaltende Haushaltsmisere, die Pannen um die Sanierung der Stadthalle, vor allem aber den Skandal um die Cottbusser Gebäudewirtschaft (GWC) vor, der inzwischen auch die Staatsanwaltschaft beschäftigt. Kleinschmidts Kritiker argumentierten damit, dass er als Stadtoberhaupt letztlich die Verantwortung für alle Vorfälle trage, die Cottbus in die Negativ-Schlagzeilen brachten. Jüngstes Beispiel: der "Medien-Krieg" um "Stasi-Filz" und Morddrohungen gegen die Chefreporterin der "Lausitzer Rundschau", Simone Wendler. "Cottbus ist so tot wie ein sizilianisches Dorf", schreibt der "Spiegel" in dieser Woche und viele vermuten, dass dieser Beitrag den Ausschlag für Kleinschmidts Entscheidung gab.

Von Häme oder Frohlocken war gestern in der Stadt freilich nichts zu merken. Selbst Kleinschmidt-Kritikern nötigte der Entschluss Achtung ab. So meinte Generalsuperintendent Rolf Wischnath, der die Cottbusser Verhältnisse seit langem kritisiert: "Ich habe Respekt vor diesem Schritt. Er wird den Oberbürgermeister davor bewahren, dass seine zweifellos großen Verdienste um die Stadt in Vergessenheit geraten."

Kleinschmidt hat den 37-jährigen Markus Derling als OB-Kandidaten vorgeschlagen. Doch Derling, der 1996 über das Bürgerbündnis in die CDU kam, hat in den vergangenen Jahren als Wirtschaftsdezernent alle Rathaus-Entscheidungen mitgetragen. "Ob da ein Neuanfang möglich ist", sinnierte bereits der OB-Kandidat der SPD, Klaus Zacharias. Zacharias ist froh, dass er nicht gegen Kleinschmidt antreten muss: "Ich hätte ihn dann auch persönlich angreifen müssen, und das tut immer weh", sagt er. Und weiß natürlich ganz genau, dass seine Chancen durch Kleinschmidts Verzicht wachsen. Der Unterstützung durch die Landes-SPD kann sich Zacharias ebenfalls sicher sein. Cottbus ist schließlich die einzige kreisfreie Stadt Brandenburgs, die von einem CDU-Mann regiert wird.

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