Öffnung einer Talsperre : Sorge an der Spree vor neuem Hochwasser

Anwohner kritisieren das Nachbarland Sachsen wegen der Öffnung einer Talsperre bei Bautzen. Es wird vermutet, dass dort während der Hitzeperiode absichtlich Wasser angestaut wurde, um es später an Berlin und Brandenburg zu verkaufen.

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Spremberg / BautzenDas Gerücht hält sich hartnäckig entlang der Brandenburger Spree: Hat Sachsen die Talsperre in Bautzen während der Hitzeperiode absichtlich volllaufen lassen, um dann Wasser an Brandenburg und Berlin zu verkaufen? Damit erklärt man sich im Spreewald die Hektik am Montag und Dienstag, als die Hochwasserwelle auf Brandenburg zurollte. Tatsächlich waren die Schleusen der Bautzener Talsperre in Windeseile geöffnet worden, so dass die 60 Kilometer entfernte Talsperre Spremberg beinahe überlief. Dabei wurde an der Staumauer gebaut, und praktisch in letzter Sekunde konnten die Schleusentore geöffnet werden.

„Alles Blödsinn“, kommentierte der Präsident des Brandenburger Landesumweltamtes, Matthias Freude, die Spekulationen. „Brandenburg zahlt nur für die Aufwendungen zur Erhaltung und zum Betrieb der Talsperren, von denen das Land profitiert. Ein Kauf von einzelnen Kubikmetern Wasser findet nicht statt.“ Seine Behörde sei sogar froh darüber gewesen, dass Sachsen in den vergangenen Wochen so wenig Wasser in die Spree abgegeben hat. So konnte die Talsperre Spremberg geleert werden, um die Staumauer zu sanieren.

Auch beim Tagebausanierer, der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau- und Verwaltungsgesellschaft (LMBV), wird das Gerücht abgestritten. Sachsen sei von der Menge des Wassers in der Spree überrascht worden und habe ein Überlaufen der Talsperre Bautzen befürchtet, hieß es dort. Zudem betreiben Brandenburg und Sachsen gemeinsam die Flutungszentrale für die Spree, in der zu normalen Zeiten geregelt wird, wie viel Wasser in die neuen Tagebauseen fließt.

Am Donnerstag bereiteten sich die Einsatzkräfte an Spree und Neiße auf eine zweite mögliche Flut vor. Der Deutsche Wetterdienst erwartete für Freitag und vor allem für Sonntag wieder extreme Niederschlagsmengen im Erzgebirge und im Zittauer Bergland. „Der Boden ist weitgehend gesättigt und kann kaum neue Niederschläge aufnehmen“, sagte Wolfgang Genehr von der Regionalabteilung Süd des Landesumweltamtes.

Im Spreewald hat sich der Wasserspiegel unterdessen um rund einen Meter erhöht. „Ein Glück, dass wir am Dienstag die Fließe weitgehend abgelassen hatten“, sagte Landesumweltamtschef Professor Freude.

Mit ganz anderen Problemen kämpfen vom Hochwasser betroffene Einwohner und Firmen in Sachsen. Diebe stehlen zum Trocknen herausgestellte Möbel und Maschinen oder räumen Garagen und Keller aus. Während die Polizei in Sachsen ihre Präsenz in den Flutgebieten erheblich erhöhte, hat es in Brandenburg bislang keine Probleme mit Diebesbanden gegeben.

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