Boxen : Ökogemüse im Abonnement

THOMAS LOY

Absatz märkischer Naturkost in Berlin steigt / Grüne Woche: Gemeinschaftsstand von BiomärktenVON THOMAS LOY BERLIN.Stroh im Sack für zwei Mark 50 das Kilo.Dieses Angebot, mitten in der Großstadt Berlin offeriert, ist ernst gemeint.Benny Steinhöfel, Zivildienstleistender und gelegentlich Markthändler, hat sich für amüsierte Nachfragen ein paar Nutzungsideen überlegt."Als Streu für das Öko-Meerschweinchen oder Einlage fürs Kopfkissen - schläft sich sehr gut drauf." Steinhöfel steht jede Woche auf dem Weddinger Ökomarkt.In Pfandgläsern bietet er Blutwurst, Schmalz, Leberwurst, Apfelmus und Müsli an, in Jutesäcken Dinkel und Gerste.Alles selbstgemacht, -verlesen, -gereinigt von 50 behinderten und nicht-behinderten Mitarbeitern des Ökohofes Kuhhorst in Deutschhof (Ostprignitz-Ruppin) 60 Kilometer nordwestlich von Berlin. Die Hauptstadt und Brandenburg rücken in der Lebensmittelwirtschaft enger zusammen.Die Nachfrage nach chemiefreien, ökologisch unbedenklichen Nahrungsmitteln nimmt zu.Jedes Wochenende schwärmen Berliner ins Umlandaus, um sich auf den Höfen der rund 240 ökologisch arbeitenden Brandenburger Bauern mit frischem Gemüse, Milchprodukten, Eiern und Obst einzudecken."Direkteinkauf", heißt das.Gleichzeitig beschicken immer mehr Landwirte die acht Öko-Märkte Berlins (die auf der Grünen Woche in Halle 7.2 a einen Gemeinschaftsstand betreiben) und mehr als 100 Naturkostläden mit ihren Lebensmitteln. "Der Berliner Markt ist noch längst nicht ausgeschöpft", sagt Regina Witt von der Arbeitsgemeinschaft ökologischer Landbau (Gäa), in der sich 64 Betriebe zusammengeschlossen haben.Als Indikator dient ihr der Abokisten-Vertrieb, bei dem die Kunden regelmäßig mit einem der Jahreszeit entsprechenden Gemüsesortiment beliefert werden.Während im kleineren München wöchentlich etwa 12 000 Abokisten ausgeliefert werden, seien es in Berlin gerade 1000.Erheblichen Nachholbedarf sieht auch Jürgen Halbekuth, Geschäftsführer des Märkischen Wirtschaftsverbandes, in dem sich Erzeuger, Händler und Kunden aus der Ökowirtschaft zusammengeschlossen haben.Es gebe großes Interesse für Produkte aus dem Umland, besonders im Westteil der Stadt, so Halbekuth, dieses paare sich allerdings nur bei einer Minderheit mit der Bereitschaft, dafür auch mehr zu zahlen.Ökokost ist durchschnittlich 20 Prozent teurer als Massenware. Absatzprobleme gibt es derzeit besonders bei Fleisch- und Milchprodukten.Viele Kunden sind eingeschworene Vegetarier.Zudem fehlt es an Fleischern, die Erfahrung mit ökologisch korrekter Verarbeitung haben.Auch bei Öko-Milch (von Kühen, die ökologisch angebautes Futter zu fressen bekommen und/oder artgerecht gehalten werden) gibt es erhebliche Überkapazitäten. Im Potsdamer Landwirtschaftsministerium beobachtet man daher ohne Groll, daß sich die 56 500 Hektar ökologisch genutzter Fläche in Brandenburg wegen Fördermittelkürzungen künftig eher verringern dürfte.Rund vier Prozent der Agrarfläche des Landes werden zur Zeit ökologisch bewirtschaftet, obleich der ökologische Anbau wegen der schlechter Bodenqualität nach den Worten von Helmuth Lehmann, Referatsleiter für Pflanzenbau, schwierig ist.Mit 30 bis 50 Prozent Ertragseinbußen müßten die brandenburger Öko-Bauern weitaus höhere Verluste hinnehmen als ihre Kollegen in Schleswig-Holstein oder Bayern.Obstbauern, die heute schon überwiegend direkt vermarkten, würden ihre Betriebsfläche dagegen gerne ausweiten.Sie können sich vor Nachfrage kaum retten.Das Potsdamer Landwirtschaftsministerium verschickt auf Anfrage ein Verzeichnis direkt vermarktender Ökohöfe und ihrer Angebote.

0 Kommentare

Neuester Kommentar