Boxen : Offene Flamme löste Großbrand aus

Erste Ermittlungsergebnisse zur Katastrophe in Behinderten-Wohnheim FRANKFURT (ODER) (Ste/dpa/ADN).Das Großfeuer mit acht Todesopfern in einem Behindertenheim von Frankfurt (Oder) vor einer Woche ist durch eine offene Flamme ausgelöst worden.Das teilte die ermittelnde Staatsanwältin Petra Marx am Freitag nachmittag mit.Es werde nach wie vor wegen des Verdachts der fahrlässigen oder vorsätzlichen Brandstiftung ermittelt.Bislang sei lediglich die Quelle des Feuers bekannt."Wir können ausschließen, daß der Brand durch die Elektroanlage entstand, durch Dritte von außen gelegt wurde, daß er mittels Brandsätzen oder irgendwelche Zusätze wie Brandbeschleuniger, bewirkt wurde", erklärte die Staatsanwältin. Nach den Angaben der Staatsanwältin würden alle Heimbewohner und das Personal jetzt eingehend befragt, um den möglichen Täterkreis einzukreisen.Es könne auch nicht ausgeschlossen werden, daß jemand von außen gewaltfrei in das Heim eindrang und während der Bekämpfung des Feuers wieder entwich.Spuren eines gewaltsamen Eindringens seien nicht festgestellt worden.Das Feuer war in einem Lagerraum im Erdgeschoß ausgebrochen. Die Befragung der Heimbewohner werde sich schwierig gestalten, da diese wegen ihrer Behinderungen unmündig seien und ihre Vormunde die Vernehmung genehmigen müßten. Bei dem Feuer waren acht behinderte Frauen im Alter von 28 bis 53 Jahren ums Leben gekommen.Die verletzten Personen sind inzwischen bis auf eine Frau aus dem Krankenhaus entlassen worden.Mit einem Trauergottesdienst soll am heutigen Sonnabend der Opfer gedacht werden.Die öffentlichen Gebäude der Stadt werden dazu auf halbmast geflaggt. Den Trauergottesdienst werden der Heimdirektor Pfarrer Gunter Behnke und Rolf Wischnath, Generalsuperintendent des Sprengels Cottbus der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, gehalten.Zum Gottesdienst wird Sozialministerin Regine Hildebrandt erwartet. Im Frankfurter Wichern-Heim selbst hat die Mitteilung der Staatsanwaltschaft über die mögliche Ursache des Feuers zusätzliche Betroffenheit ausgelöst.Noch warte man aber für Reaktionen den Abschluß der Ermittlunge ab, hieß es vom Heim.Bisher sind auf den beiden eingerichteten Spendenkonten rund 95 000 Mark eingegangen.Die schlimmsten Folgen der Katastrophe seien damit gelindert worden, sagte die Sprecherin des Heimes, Renate Jantke. Zwei Flügel des rund 80 Jahre alten Gebäudes unweit des Frankfurter Zentrums waren bei dem Großbrand vor einer Woche fast völlig zerstört worden.Bei dem Unglück handelte es sich um die schwerste Brandkatastrophe in Brandenburg überhaupt.Bei dem Feuer in der Nacht zum Freitag vergangener Woche waren mehrere Heimbewohner zum Teil schwer verletzt worden.Eine Frau, die schwere Brandwunden erlitten hatte, schwebte tagelang in Lebensgefahr.Sie befindet sich nach Angaben des Heims noch auf der Intensivstation, ist aber außer Lebensgefahr.Der Ermittlung der Brandursache waren einwöchige Untersuchungen der Polizei vorausgegangen.Hinweise auf Brandstiftung hatte es nach ersten Erkenntnissen der Ermittler nicht gegeben. 94 der insgesamt 143 Heimbewohner mußten evakuiert werden.Viele der geistig verwirrten Patienten waren in Panik geraten, einige hatten sich offenbar aus Angst vor den Flammen selbst in ihren Zimmern eingeschlossen.Die Rettung der Heimbewohner wurde durch den verschachtelten Bau erschwert. Ministerpräsident Manfred Stolpe sprach am Unglücksort von der größten menschlichen Tragödie der letzten Jahre in Brandenburg.Er und Innenminister Alwin Ziel drückten den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl aus.Inzwischen sind alle Bewohner in anderen Gebäuden des Heimes und in einem Hotel untergebracht.

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