Boxen : Oranienburger Silberblick

Ausstellung zeigt Kostbarkeiten aus dem Schatz der preußischen Könige

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Oranienburg - Ausgerechnet der für seine Sparsamkeit und fehlenden Kunstverstand bekannte „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. machte beim Silber eine große Ausnahme. In seiner Herrschaft von 1713 bis 1740 mussten die Schmuckstücke aus dem Edelmetall so prachtvoll wie möglich und die Zahl der Wertgegenstände so hoch wie möglich ausfallen. Kein anderer preußischer Herrscher hat bei den Kunstschmieden so viele Pokale, Humpen, Kannen, Skulpturen und andere Preziosen bestellt wie dieser König.

Nur wenige Stücke haben zwar die Wirren der Zeit überstanden. Doch zwölf Kostbarkeiten werden ab Freitag in einer neuen Dauerausstellung im Schloss Oranienburg gezeigt. Besucher können damit erstmals eine Silberkammer bestaunen, wie sie einst in jedes Schloss der preußischen Könige gehörte. Nur in Oranienburg hat dieser Raum im Erdgeschoss noch seine originalen Maße – obwohl das Schloss ab Mitte des 19. Jahrhunderts als Chemiefabrik und später als Kaserne gedient hatte.

„Der Silberschatz Preußens ist lange Zeit aus dem Gedächtnis gestrichen worden“, sag Burkhardt Göres, Direktor der Schlösserstiftung. „Königlichen Glanz bringt man eher mit dem Hof Augusts des Starken in Dresden in Verbindung. Aber auch die Preußen wollten mit prächtigem Tafelgerät repräsentieren und Silber als Staatsschatz anhäufen.“ Schon 1702 habe die Inventarliste des Oranienburger Gewölbes 500 Silberobjekte enthalten. 1713 sei die Zahl bereits auf 800 angewachsen – wenn auch die meisten Schmuckstücke in jenem Jahr von Oranienburg ins Berliner Stadtschloss gebracht wurden.

In der neuen Ausstellung sind unter anderem die „Große Kurfürst-Kanne“, die immerhin 70 Liter Wein fasste, zu sehen. Die Skulptur „Bombenträger“ diente der Aufbewahrung von Konfekt. Ein Pokal erinnert an die Krönung des ersten Preußenkönigs 1702. Außerdem begeistern Flaschen und zahlreiche prunkvolle Gläser. Viele Objekte erwarb die Schlösserstiftung auf internationalen Auktionen. Ste.

Das Schlossmuseum Oranienburg ist bis 31. Oktober dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr, von 1. November bis 31. März nur an Wochenenden von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet fünf Euro, ermäßigt vier. Am 18. Juni findet von 11 bis 17 Uhr ein Tag der offenen Tür mit Vorträgen und Führungen statt – Eintritt vier Euro, ermäßigt drei. Auskünfte unter Telefon 03301/ 537 438 und unter www.spsg.de

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