Boxen : Paradies für wilde Tiere

In Brandenburg wäre Bruno nicht getötet worden, sagt der Chef des Landesumweltamts. Hier sind ja auch Wölfe heimisch geworden

Thorsten Metzner

Potsdam - Wenn sich Wölfe, Luchse oder gar Braunbären nach Brandenburg verirren, droht ihnen nicht der Abschuss. Eine „Hinrichtung“ wie die des Braunbären Bruno in Bayern sei hierzulande „nicht vorstellbar“, sagte Matthias Freude, der Präsident des Landesumweltamtes, am Dienstag dem Tagesspiegel. „Wir hätten einen Bären wie Bruno auch aus dem Verkehr gezogen – mit dem Narkosegewehr“. Aber nicht nur die Naturschutzphilosophie ist offenbar eine andere als in Bayern. Der Präsident des Landesumweltamtes nennt einen weiteren Unterschied: In der Öffentlichkeit Berlin-Brandenburgs gebe es eine größere Sensibilität gegenüber bedrohten Arten, selbst bei wild lebenden Raubtieren. „Die Bevölkerung tickt hier anders“, sagt Freude.

Das ist nicht nur so daher gesagt. Denn was in Bayern der Bär (war), ist in Brandenburg der Wolf. Freude wies auf den gelassenen Umgang mit den nach Brandenburg zurückgekehrten Wölfen hin, von denen mittlerweile zwei Rudel an der sächsisch-brandenburgischen Grenze in der Lausitz leben. Sie fühlen sich wohl, gerade erst hat sich dort wieder Nachwuchs eingestellt. Auch die Wogen in der Region, die vor einigen Jahren hochschlugen, haben sich gelegt. Die Bevölkerung und die Schäfer hätten sich mittlerweile daran gewöhnt, dass von den Wölfen keine Gefahr für den Menschen ausgeht. „Und wenn doch mal ein Schaf gerissen wird, ist das auch kein Drama.“

Freude sieht durchaus Parallelen zu Bruno – es gehe um Psychologie, um die Wahrnehmung durch den Menschen. Auch Bruno habe lediglich das getan, „was er von seiner Mutter gelernt hat“ – dass man ganz gut leben könne, wenn mal ein Bienenstock, mal ein Hühnerstall geplündert und mal ein Schaf gerissen werde. Dies bedeute nicht, dass das Tier auch für den Menschen gefährlich sei, sagt Freude.

Die Naturschützer haben für diese Linie die Rückendeckung der Politik. Erst kürzlich hatte Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) bekräftigt, dass der im 18. und 19.Jahrhundert ausgerottete Wolf in Brandenburg wieder heimisch werden soll: „Er gehört in diese Wild- und Naturlandschaft“. Zumal „nie hunderte oder tausende Wölfe nach Brandenburg kommen werden“, so Freude.

Dass auch der seit 1741 in der Mark ausgerottete Braunbär zurückkehrt, schließt Freude aus. Zwar gebe es im tiefen Landesinneren von Polen – Herkunftsland auch der Wölfe – noch Bären. Aber dazwischen seien „zu große waldfreie Gebiete, zu viele Autobahnen und Straßen“, die für Bären praktisch nicht zu überwinden seien. Wahrscheinlicher sei dafür, dass sich in absehbarer Zeit der Luchs wieder in der Mark ansiedelt. Als in Bayern ein Tier gesichtet wurde, erzählt Freude, habe man mit 160 Jägern Jagd auf den Luchs gemacht. In Brandenburg seien Wolf und Luchs willkommen.

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