Boxen : PDS und SPD wollen Einheitsschule in Brandenburg

Rückkehr des DDR-Modells wäre bundesweit einmalig. Wegen der sinkenden Anmeldungszahlen muss jede zweite weiterführende Schule im Land geschlossen werden

Thorsten Metzner

Potsdam. Erlebt die „ Polytechnische Oberschule“ aus DDR-Zeiten ihr Comeback, wenn Brandenburgs große Koalition nach der Landtagswahl durch Rot-Rot abgelöst werden sollte? In einer Aktuellen Stunde des Landtages zur Situation der Schulen forderte die PDS-Opposition am Mittwoch, Brandenburgs stark zergliedertes Schulsystem zu straffen – durch die Einführung einer neunjährigen gemeinsamen Schule für alle Kinder. Erst danach wäre dann ein Wechsel auf Gymnasien oder Oberstufenzentren möglich. Das wäre bundesweit ein Novum.

Bildungsminister Steffen Reiche (SPD) reagierte offen, wobei er eine zehnjährige Schule befürwortet. „Ich bin dazu bereit“, sagte er. Allerdings dürfe dieser Kurswechsel nicht gegen den Willen der Eltern geschehen. Es sei ein langfristiges Projekt und dürfe nicht überstürzt werden.

Kurzfristig forderte Reiche erneut die Zusammenlegung von Real- und Gesamtschulen zu „Sekundarschulen“, um so auf extrem sinkende Schülerzahlen zu reagieren. Auch in dieser Frage sind sich SPD und PDS einig. Reiche machte den CDU–Koalitionspartner dafür verantwortlich, dass die von Experten empfohlene Einführung von Sekundarschulen bisher scheiterte, obwohl diese ein CDU-Modell aus Sachsen und Thüringen sind. Neben Gymnasien gibt es im dünn besiedelten Brandenburg derzeit Realschulen und Gesamtschulen, was zu längeren Schulwegen führt. Die Union, die die Abschaffung der populären Realschulen befürchtet, lehnt Sekundarschulen ab. „Wir stehen zu den Realschulen“, sagte CDU-Bildungsexpertin Carola Hartfelder. Dagegen erklärte die SPD-Bildungsexpertin Ingrid Siebke, dass durch Sekundarschulen das Problem des Schulsterbens gelindert würde. „Es würde die Situation in den ländlichen Regionen erleichtern, wenn wir die wenigen Kinder nicht noch auf zwei Schultypen neben dem Gymnasium verteilen müssten.“

Reiche stellte klar, dass es zur „bitteren“ Schließung von weiterführenden Schulen – jede zweite steht vor dem Aus – keine Alternative gebe. Gab es 2003 noch 31000 Sechstklässler, die auf die Gymnasien, Real- und Gesamtschulen wechselten, sind es jetzt nur noch 15711. Daher könnten in diesem Jahr voraussichtlich 70 bis 90 weiterführende Schulen keine neuen siebten Klassen einrichten. Da das für diese Schulen quasi das Aus bedeutet, sind die Kommunen, Eltern und Lehrer in heller Aufregung. Die PDS-Bildungspolitikerin Gerrit Große sprach von einem „bildungspolitischen Scherbenhaufen“ der großen Koalition. Die Schließung von rund 230, oft sanierten Schulen habe die „volkswirtschaftliche Dimension der in den Sand gesetzten Großprojekte“. Große sprach sich dafür aus, kleine Schulen mit nur einer Klasse je Jahrgang zuzulassen. SPD und CDU widersprachen: Die Folge wäre ein Qualitätsverlust, weil es an diesen Schulen nur vier feste Lehrer gäbe, Fachunterricht durch Wanderlehrer abgesichert werden müsste.

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