Pendler : Der große Grenzverkehr

Fast jeder achte Beschäftigte in der Region pendelt nach Berlin oder ins Umland. Immer mehr klagen über volle Züge und Staus.

Matthias Matern

Potsdam/BerlinRund 160.000 Brandenburger pendeln täglich zu ihrem Arbeitplatz in Berlin. Und etwa 61.000 Hauptstädter machen sich jeden Morgen auf den Weg zu ihrem Job ins Brandenburger Umland. Fast jeder achte Beschäftigte in der Region überquert damit täglich die Ländergrenze. "In keiner anderen Region in Deutschland ist das Pendleraufkommen so groß wie in der Hauptstadtregion“, sagt Dieter Bogai, Experte beim Institut für Arbeits- und Berufsforschung. Seit Anfang der 90er Jahre untersucht das Institut mit Hauptsitz in Nürnberg jährlich das Fahrverhalten der Berufstätigen in Brandenburg und Berlin. Noch 1998 fuhren täglich 118.000 Brandenburger zum Arbeiten nach Berlin, 2004 waren es bereits mehr als 148.000. Im gleichen Maße nahm auch der Berufsverkehr von Berlin ins Umland zu.

Zahlen werden weiter zunehmen

„Die Zahlen werden auch in den kommenden Jahren weiter zunehmen“, glaubt Bogai. Doch bereits jetzt bereitet das Pendleraufkommen Verkehrsprobleme: Während Autofahrer im Berliner Stadtgebiet oft im Stau stecken bleiben, kämpfen Bahnfahrer auf Umlandstrecken mit überfüllten Zügen und Verspätungen. „Die Situation auf der Schiene ist auf manchen Linien verbesserungsbedürftig“, sagt Christfried Tschepe, der Vorsitzender des Berliner Fahrgastverbandes IGEB. Regelmäßig würden Passagiere über Verspätungen und volle Züge klagen.

Besonders eng werde es zum Beispiel häufig für Pendler, die den Regionalexpress RE 1 von Magdeburg beziehungsweise Frankfurt (Oder) nach Berlin nutzen, sagt Tschepe. Dort komme es aufgrund von Überfüllung oft zu Verspätungen. Eine Verlängerung der Züge der RE 1 aber sei wegen der häufig zu kurzen Bahnsteige nicht machbar, sagt der Sprecher der Deutschen Bahn, Burkhard Ahlert: „Mit fünf Doppelstockwagen fahren wir bereits auf Maximallänge.“ Eine engere Taktfolge hingegen sei eine Kostenfrage, die der Besteller zu entscheiden habe, in diesem Fall der Verkehrsverbund Berlin- Brandenburg. Dort aber verweist man auf die klammen Kassen der beiden Länder und die jüngsten Kürzungen der Bundesmittel für den Regionalverkehr.

In Berlin einiges verschlafen worden

Ein weiteres Problem sei, dass manche Linie nicht ins Stadtzentrum fahren, sagt Tschepe. Der Prignitz-Express etwa endet in Spandau. Zu wünschen übrig ließen außerdem die Busanbindungen im Berliner Umland. Dort seien das Netz zu dünn, die Zahl der Fahrten zu gering und die Busse im Berufsverkehr überfüllt. „Die Landkreise müssen mehr Geld bereitstellen“, fordert der IGEB-Vorsitzende. Aber auch die Kreise argumentieren, dass ihnen schlicht die Mittel fehlten.

Die Situation auf der Straße hält Jörg Becker, Leiter der Verkehrsabteilung beim ADAC Berlin-Brandenburg, bis zur Berliner Stadtgrenze zwar für unproblematisch: „Brandenburg hat in den vergangenen Jahren die großen Einfallstraßen gut ausgebaut. In Berlin enden sie aber oft in Nadelöhren.“ Da sei einiges verschlafen worden, sagt Becker. Natürlich könne es nicht Ziel sein, die Innenstadt mit Autos zu überschwemmen. Deshalb fordert er mehr Park & Ride-Stationen in und um Berlin. Aus der Berliner Stadtentwicklungsverwaltung heißt es dazu nur: „Das muss Brandenburg machen.“ In Potsdam dagegen verweist man auf bereits Geleistetes. Mit bis zu 20 Millionen Euro fördere das Land jährlich den Bau von Stationen zum Umsteigen zwischen Auto und Bahn, sagt Lothar Wiegand, Sprecher im Infrastrukturministerium. Doch ob und wo ein solcher Halt entstehe, könne das Land nicht beeinflussen. Das müssten die Kommunen entscheiden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar