Boxen : Polen ziehen in die Uckermark

Ob als Mieter oder Käufer – die deutsche Grenzregion wird bei Wohlhabenden aus dem Nachbarland immer beliebter

Olaf S,ermeyer

Prenzlau - Martin Patzelt hat es schon länger geahnt: Die Lösung für das Problem der leer stehenden Plattenbauten in Brandenburg liegt jenseits der Oder. Er wollte schon vor der EU-Osterweiterung polnische Mieter in Frankfurt (Oder) ansiedeln, um der darbenden Wohnungswirtschaft zu helfen. Doch der Oberbürgermeister der Grenzstadt scheiterte. Denn er hatte die Mieten subventionieren wollen, weil die Polen aus dem benachbarten Slubice nicht über ausreichend Kaufkraft verfügten.

„Das ist bei uns in Stettin (Szczecin) ganz anders“, sagt Magdalena Pysz vom deutsch-polnischen Nachbarschaftsbüro: In der Stadt am Haff leben heute viele EU-Gewinner, Ärzte oder Unternehmer, deren Einkommen mittlerweile höher ist als das vieler Brandenburger. Pysz vermittelt deutschen Wohnraum an solvente polnische Mieter – und ohne öffentlichen Zuschlag.

Auch Käufer sind unter den 120 Polen, die sie in den vergangenen Monaten vermittelt hat. Viele in den Uecker-Randow-Kreis in Mecklenburg-Vorpommern – aber auch in die brandenburgische Uckermark. „Wir haben einige polnische Klienten, die als Ärzte in den Krankenhäusern von Prenzlau und Schwedt arbeiten.“ Während sie im Uecker-Randow-Kreis auch von der kommunalen Wohnungswirtschaft unterstützt wird, muss sie in Brandenburg private Makler einschalten. Die Gründe für ihre Zurückhaltung wollten die kommunalen Unternehmen in Brandenburg nicht erläutern. Dabei müsste jeder Neubürger in dem immer dünner besiedelten Gebiet einen herzlichen Empfang bekommen.

Zu den Kunden von Frau Pysz gehört auch eine polnische Unternehmerfamilie, die in der Region ein Häuschen sucht, um es zu renovieren und auszubauen. Sie schaut sich gerade eine halb verfallene Gaststätte an: 176 Quadratmeter Wohnfläche, 1200 Quadratmeter Bauland für 16 000 Euro. Aber sie will noch weiter schauen. Bis sie etwas gefunden hat und der Vertrag unterschrieben ist, möchte die polnische Familie anonym bleiben. Die Gründe für ihren Umzugswunsch aber nennt sie offen: „Schauen Sie, in Deutschland ist es doch viel sicherer als in Stettin.“ Dort gebe es mittlerweile reiche Vororte, wo sich Besserverdienende hinter den Mauern bewachter Siedlungen verschanzen. Die Kriminalitätsrate ist hoch.

Die Stettiner Immobilienpreise liegen ohnedies bald auf deutschem Niveau. Der Blick in den Immobilienteil des „Kurier Szczecinski“ bestätigt das: Eine Einzimmerwohnung mit 36 Quadratmetern kostet warm 200 Euro. Vierzimmerwohnungen liegen in Stettin bereits beim Doppelten – kalt. Da kann auch die ostdeutsche Platte mithalten.

Zumal „unsere Kunden in Deutschland Kindergeld, die Eigenheimzulage und Mittel aus dem Dorferneuerungsprogramm beziehen können“, sagt Nachbarschaftsmittlerin Pysz. „Vorausgesetzt, sie sind hier steuerlich gemeldet“. Die einzige Voraussetzung, die Polen erfüllen müssen, um diesseits der Grenze wohnen zu dürfen, ist der Nachweis eines ausreichenden Einkommens und einer Krankenversicherung. Polnische Studenten beispielsweise müssen ein monatliches Einkommen von 530 Euro haben.

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