Boxen : Potsdam feiert Durchbruch für die Chipfabrik

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Von Michael Mara

und Thorsten Metzner

Potsdam. Große Freude in Potsdam: Politiker der Regierungskoalition und der PDS-Opposition zeigten sich erleichtert und erfreut, dass die endgültigen Verträge über das Eigenkapital der in Frankfurt (Oder) geplanten Chipfabrik unterzeichnet sind. Diese Zeitung hatte Freitag exklusiv darüber berichtet. Die offizielle Bestätigung der Communicant AG ließ gestern allerdings auf sich warten. Zum einen lag wegen der Zeitverschiebung noch kein grünes Licht aus der Zentrale des US-Chipherstellers Intel aus Kalifornien vor. Zum anderen wollten die Intel-Bosse und die Scheichs aus Dubai gemeinsam mit Polit-Prominenz auf einer Pressekonferenz in Frankfurt (Oder) den Durchbruch öffentlichkeitswirksam verkünden. Deshalb hatten die Gesellschafter zunächst Vertraulichkeit vereinbart. Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) ließ vor diesem Hintergrund gestern ausrichten: „Kein Kommentar.“ Er warte die offizielle Verlautbarung ab. Auch Communicant-Vorstand Dirk Obermann hielt sich, wie schon seit Tagen, bedeckt.

Nach Informationen dieser Zeitung sind die Verträge mit dem Hauptfinanzier Dubai, der sich mit 250 Millionen Dollar beteiligt, schon am Freitag vor einer Woche in einer Anwaltskanzlei in Berlin unterzeichnet worden. Der Vertrag mit dem US-Chiphersteller Intel (Anteil rund 40 Millionen Dollar) wurde Dienstag in dessen Londoner Filiale unterschrieben. Mit einem Investitionsvolumen von 1,3 Milliarden Dollar und geplanten 1300 Arbeitsplätzen handelt es sich um das größte Wirtschaftsprojekt im Land Brandenburg. Der Frankfurter Oberbürgermeister Patzelt sieht die Unterzeichnung der Verträge als Signal dafür an, dass aus Sicht der Investoren die noch bestehenden Probleme zu lösen seien. CDU-Fraktionschefin Beate Blechinger sprach von einem „Zeichen der Hoffnung“ für das Land, besonders für die berlinfernen Regionen. Dies sei umso wichtiger, als die die Stimmung in Mittelstand und Handwerk „depressiv“ sei. „Es ist ein Signal, dass es sich lohnt, in Brandenburg zu investieren“, betonte Blechinger. Den Erfolg könne sich vor allem Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß (CDU) anrechnen, der gegen Widerstände für das Milliardenprojekt gekämpft habe. „Der eingeschlagene Weg war richtig. Es gibt jetzt kein Zurück mehr“, sagte SPD-Fraktionschef Gunter Fritsch. Er hoffe, dass jetzt auch Brüssel schnell entscheide, damit es „mit Volldampf losgehen kann.“ Der wirtschaftspolitische PDS-Sprecher Ralf Christoffers sagte, die Chipfabrik sei eine „technologische und wirtschaftspolitische Chance“ für die Region und erhöhe die Wettbewerbsfähigkeit Brandenburgs.

Die Communicant AG bestätigte am Freitag Tagesspiegel-Informationen, wonach der bisherige Vorstandsvorsitzende Klaus Wiemer auf eigenen Wunsch ausgeschieden ist. Er ist bereits nicht mehr in Frankfurt (Oder). Wiemer gilt zwar als exzellenter Experte für Foundry-Chipfabriken, sei jedoch mit dem Generalmanagement überfordert, hieß es. Für ihn wollen die Gesellschafter jetzt einen Top-Manager anheuern. Außerdem soll der bislang zweiköpfige Vorstand der Communicant AG mit weiteren Top-Experten erweitert werden.

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