Boxen : Potsdam: Türkischer Konsul: Vorwürfe dementiert, Vorbehalte bestätigt

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Neue Hoffnung für das dem Verfall ausgesetzte Lepsiushaus in Potsdam, das Gegenstand diplomatischer Verwicklungen mit der Türkei geworden ist: Der Potsdamer Generalsuperintendent Hans-Ulrich Schulz, zugleich Vorsitzender des Fördervereins für das Lepsiushaus, erklärte gestern, dass nach der kritischen Berichterstattung der letzten Tage zahlreiche Hilfsangebote bei ihm eingingen. "Es gibt Solidaritätsbekundungen, Spendenangebote und Vereins-Eintritte", so Schulz gegenüber dieser Zeitung. Er äußerte sich erleichtert über die jüngsten Bekenntnisse von Oberbürgermeister Matthias Platzeck, dass die Stadt das Projekt einer Gedenkstätte unterstützen werde. Wie berichtet hatte Report Mainz der Stadt- und Landesregierung vorgeworfen, wegen massiver türkischer Interventionen von einer beabsichtigten Förderung Abstand zu nehmen. Lepsius (1858 - 1926) hatte den Völkermord der Türkei an Armeniern im Ersten Weltkrieg dokumentiert, der vom türkischen Staat bis heute geleugnet wird.

Der türkische Konsul Iskender Okyay wies gegenüber dieser Zeitung Vorwürfe zurück, die Türkei übe massiven Druck aus, um die Gedenkstätte zu verhindern. Er bestätigte allerdings, dass man Vorbehalte gegen das Projekt geltend gemacht habe, weil man einen Missbrauch durch armenische Terroristen befürchte. "Wir haben Sorge, dass dort ein armenisches Propagandagebäude entsteht." Okyay räumte ein, dass türkische Organisationen und Vereine sich in Briefen an Potsdams Oberbürgermeister gewandt hätten. Er bedauerte, dass "manche wohl zu hart" gewesen seien. Nach Angaben von Generalsuperintendent Schulz wird die Sanierung des Lepsiushauses, das zum Unesco-Welterbe gehört, rund 1,6 Millionen Mark kosten.

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