Präsidentenbesuch : Die Weltmacht kommt ins Dorf

Der kleine Ort Meseberg bei Gransee hat gerade mal 150 Einwohner. Ab Dienstag gehört er aber zu den meist bewachten Orten dieser Welt. Während seines Deutschlandbesuchs nächtigt der amerikanische Präsident George W. Bush samt Gattin in dem verschlafenen Örtchen.

Patricia Driese
Bush-Besuch
Empfangsbereit. Auf dem Dach werden Antennen angebracht. -Foto: dpa

MesebergDas kleine Meseberg bei Gransee gehört morgen wieder zu den am besten bewachten Orten dieser Welt. Schließlich will US-Präsident George W. Bush hier übernachten. Im Barockschloss am Rande des gerade 150 Einwohner zählenden Dorfes wird der gemeinhin als mächtigste Mann der Welt bezeichnete Staatsmann mit seiner Gattin den Dienstagabend und den Mittwochvormittag verbringen. Er folgt einer Einladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die ihn zusammen mit ihrem Mann im Gästehaus der Bundesregierung begrüßen wird.

Von Aufregung war gestern im Dorf unweit der Bundesstraße 96 noch nicht viel zu spüren. "Alles Routine“, sagten die in der Mittagshitze nur selten anzutreffenden Dorfbewohner wie auch die unübersehbaren Sicherheitskräfte. "Bei den ersten Staatsbesuchen im vergangenen Jahr waren alle im Ort noch aufgeregt“, erzählt ein älterer Mann am Gartenzaun zwischen Kirche und Schloss. "Alle wollten die aus dem Fernsehen bekannten Gesichter entdecken. Die Politiker aber sind nach der Landung des Hubschraubers blitzschnell im Schloss verschwunden und ebenso unsichtbar am nächsten oder übernächsten Tag abgeflogen.“

Die meiste Aufregung würden die Medien auslösen, die immer wieder nach irgendwelchen Sensationen fragten, meinte er. Dabei sei Meseberg doch viel ruhiger als die meisten anderen Brandenburger Dörfer.

Gestern allerdings stimmte der Vergleich nicht ganz. Große Hubschrauber probten den Anflug und die Landung, während aus schwarzen Limousinen ab und zu Männer in dunklen Anzügen stiegen und schnellen Schrittes zum Schloss liefen. Bürgermeister Alois Demuth gab sich fast schon diplomatisch, als er nicht ohne Stolz davon erzählte, wie oft sein Dorf in den Schlagzeilen sei. "Den Anfang hat im Winter 2007 Jacques Chirac gemacht“, erinnerte er sich. „Da habe ich ihm sogar die Hand zur Begrüßung geschüttelt.“

Inzwischen ist die Lise der Staatsgäste schon lang. Regierungschefs aus Polen, Italien, Tschechien, den Niederlanden, aus Israel und anderen Ländern kennen Meseberg genau wie alle Mitglieder des Bundeskabinetts. Das Dorf selbst hat davon schon profitiert - einige Dorfbewohner fanden Arbeit im Schloss, die Straße wurde asphaltiert, und das einstige Funkloch Meseberg erhielt leistungsstarke Sender für alle Handy-Netze. Im Herbst sollen endlich auch Touristen eine Übernachtungsmöglichkeit erhalten. Die Münchener Messerschmitt-Stiftung, die auch das Barockschloss sanierte und es für 20 Jahre zum symbolischen Mietpreis von einem Euro der Bundesregierung überließ, baut für rund 2,5 Millionen Euro ein Vier-Sterne-Hotel. Aus den 21 Zimmern fällt der Blick auf das Gästehaus und den See. Bei Staatsbesuchen werden diese natürlich nicht ans normale Publikum vermietet.

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