Boxen : Prenzlau ist bedingt einsatzbegeistert

Claus-Dieter Steyer

Der Bürgermeister weiß Bescheid: "Unsere Bundeswehreinheiten in der Stadt sind für einen möglichen Auslandseinsatz gut gerüstet", sagt Jürgen Hoppe. Es gebe keine Zweifel am guten Vorbereitungsstand und an der notwendigen Sicherheit. Das habe ihm der Kommandeur der am östlichen Stadtrand gelegenen Uckermark-Kaserne am Morgen berichtet. Hier ist ein so genanntes ABC-Abwehrbataillon stationiert, das atomare Sprengkörper sowie biologische und chemische Kampfstoffe aufspüren soll.

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700 Mann - Wehrpflichtige und freiwillig länger dienende Soldaten sowie Offiziere - gehören dazu. Ihre wichtigste Waffe ist der Spürpanzer "Fuchs", der schon im Golfkrieg eingesetzt wurde. 18 dieser 320-PS-starken und schwimmfähigen Fahrzeuge stehen in Prenzlau. Allerdings sei noch nicht entschieden, ob tatsächlich das Bataillon in der Uckermark den Feldzug der USA gegen den Terror unterstützen wird. Darüber wird auch vor der Kaserne an der Straße zwischen Autobahn und Stadtzentrum nicht gesprochen. "Von den Soldaten werden Sie kein Wort erfahren", sagt der Presseoffizier vor dem Eingangstor. Alle Militärangehörigen seien zur absoluten Verschwiegenheit verpflichtet worden. Aber selbst diese Auskunft falle fast schon unter Geheimnisverrat. Immerhin lässt er sich noch entlocken, dass das Ministerium zwischen vier ABC-Abwehreinheiten entscheiden werde. Eine davon sei Prenzlau.

Die Kleinstadt lebt seit mehr als 300 Jahren mit und von den Militärs. Ein Ortszentrum ist heute nur schwer zu erkennen. 1945 wurde der Ort bei Luftangriffen zu 85 Prozent zerstört - eine Folge der starken Truppenpräsenz in der Stadt. Trotz dieser schlimmen Erfahrungen kämpfte Prenzlau selbst 1990 um seine Garnison. Heute sind die insgesamt rund 1000 Soldaten aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Auch die Kaserne engagiert sich, veranstaltet Tage der offenen Tür, große Zapfenstreiche und Benefizkonzerte mit britischen und amerikanischen Musikkorps zugunsten von Kinder- und Sozialstätten.

"Es wäre ein Jammer, wenn die Soldaten wirklich in den Krieg ziehen müssten", sagt ein Passantin vor dem Kasernentor. "Viele kennt man schließlich persönlich." Die Verkäuferin im kleinen Laden an der Ecke winkt auf Fragen zu diesem Thema resigniert ab. "Wer fragt die Eltern nach ihren Ängsten um ihre Söhne?" In ihrem Bekanntenkreis gebe es gleich mehrere betroffene Familien, in denen mindestens ein Mann in der Uckermark-Kaserne Dienst schiebe. "Nach Jugoslawien haben wir die Truppen auch mit Sorge verabschiedet. Aber jetzt sieht es doch viel gefährlicher aus." Im Schnellrestaurant in Sichtweite der Kaserne zählt ein älterer Gast die vorbeifahrenden Bundeswehr-Lastwagen. "Bei mehr als drei werde ich schon unruhig. Da denke ich, es geht los." Diese Ungewissheit mache ihm sehr zu schaffen. "Ich war im Krieg und weiß, was das heißt."

Draußen werben SPD, PDS und CDU auf Plakaten für die Bürgermeisterwahl am Sonntag. "Die Weltlage spielt dabei keine Rolle", meint SPD-Kandidat Jürgen Hoppe. "Prenzlau ist nicht Berlin."

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