• Prima-Promi-Potsdam: Der Promi-Trend steckt zwar noch in den Anfängen - aber die Lust wächst

Boxen : Prima-Promi-Potsdam: Der Promi-Trend steckt zwar noch in den Anfängen - aber die Lust wächst

Michael Mara,Thorsten Metzner

Die klassizistische Villa in der Beyerstraße 4, zwischen Neuem Garten und Kolonie Alexandrowka, ist bis unters Dach eingerüstet. Eine von vielen Baustellen in Potsdams feinen Villenvierteln, die sich wie eine Perlenkette um die Schlossparks Sanssouci, Neuer Garten und Babelsberg legen. Die Bauherrin auf dem Schild trägt einen prominenten Namen: Friede Springer. In Windeseile hat sich das Gerücht in Potsdam verbreitet: "Friede Springer verlässt Berlin und kommt nach Potsdam", sagt Restaurant-König Nico Gehn. "Das ist phantastisch."

Die Witwe des 1985 verstorbenen Verlegers Axel Springer will das so zwar nicht bestätigen. Ganz so weit sei es noch nicht, sagte sie dem Tagesspiegel. Sie habe das Haus erworben, um selbst etwas für die Sanierung der Innenstadt zu tun. Und sie schwärmt: "Potsdam ist eine wunderschöne Stadt, ein deutsches Juwel. Ich habe immer in der Nähe gewohnt. Aber Potsdam war, obwohl nur wenige Kilometer entfernt, unerreichbar. Hinter der Mauer." Jetzt sei sie oft hier, erst jüngst habe sie mit Chefredakteuren und Oberbürgermeister Platzeck das künftige Hauptgelände der Bundesgartenschau besichtigt. Kann sie sich vorstellen, für immer ins wiedererstehende preußische Arkadien zu ziehen? "Ja, ich schließe das nicht aus", sagt Friede Springer, die sich auch im Beirat für das geplante Preußenmuseum engagiert.

Berlins schönster Vorort, nur durch die Havel von der Hauptstadt getrennt, scheint wieder eine erste Adresse für Prominente aller Coleur zu werden, für Künstler und Chefredakteure, Adlige und Diplomaten, Unternehmer, Banker und Ministeriale, die - damals auch noch die Militärs - schon vor dem Krieg Bild und Leben der preußischen Residenz prägten. Die Zeiten, in denen Potsdam wegen der Negativ-Schlagzeilen eher abschreckte als anzog, sind offenbar vorbei. Keine andere Landeshauptstadt im Osten, ist Oberbürgermeister Matthias Platzeck überzeugt, erlebt einen solchen Zustrom. Die Prominenten bilden die Spitze der inzwischen 18 000 Personen, die seit der deutschen Einheit aus dem Westen nach Potsdam umgezogen sind.

Fernseh-Moderator Günter Jauch, der Potsdam mehr durch Zufall entdeckte, und Mode-Designer Wolfgang Joop, der hier geboren wurde, machten den Anfang: Beide bauen an einer der schönsten Stellen der Stadt, am glasklaren Heiligen See, vis à vis von Schloss Cecilienhof und Marmorpalais. Gleich daneben hat sich der Babelsberger Ufa-Chef Wolf Bauer einen Traum erfüllt: sein Palais im toskanischen Stil - selbst einige Apfelsinen- und Zitronenbäumchen fehlen nicht - ist beinahe fertig gestellt. Eine Ecke weiter in der Mangerstraße 15 haben die Medien-Macher Georgia Tornow und Ulrich Meyer einen bombastischen Mietpalast aus der Gründerzeit aufwendig saniert und sich im Hinterhaus eine Wohnung eingerichtet. Schräg gegenüber fällt eines der prachtvollsten Potsdamer Bürgerpaläste auf, 1894 im Historismus-Stil errichtet. Der Sachverständige und Unternehmensberater Karlheinz Fernau hat den Prunkbau bis ins letzte Detail originalgetreu restauriert. Regelmäßig lädt er einen illustren Kreis aus Politik, Wirtschaft, Kultur zu Salonabenden ein. Oder der Internet-Unternehmer Uwe Fenner, der seine berühmten Vierjahreszeiten-Gespräche von Berlin nach Potsdam verlegt hat und mit seinem kleinen Imperium feiner Kommunikationsfirmen im Ulmenhof am Jungfernsee residiert. Ende Juni wird hier Marc Samwer, Begründer von eBay Deutschland, vor ein paar hundert Top-Leuten referieren. Thema: "Das Internet wird wie Wasser und Strom." Schon vor Jahren hatte der ehemalige Potsdamer Bau-Staatssekretär Horst Gräf prophezeit, dass Potsdam, wenn es die Chance der Rückbesinnung auf seine Historie nutze, "ein Ort des Geistes und der Intellektualität" werden könne.

Peter Daniel, Prominenten-Zahnarzt und Vorsitzender des Anwohner-Vereins Berliner Vorstadt, der sich für Potsdams feinstes Villenviertel engagiert, stellt fest: "Es kommen immer mehr interessante Leute in die Stadt, die schon viel in der Welt herumgekommen sind." Erst jüngst sei ein hoher Weltbank-Mann, der viele Jahre in Amerika lebte, in der Berliner Vorstadt zugezogen. Auf der anderen Seite der Havel am Griebnitzsee in Babelsberg, wo schon vor dem Krieg die UFA-Stars lebten, haben sich unter anderem der Regisseur Volker Schlöndorff und der frühere Studio-Manager Friedrich-Carl Wachs niedergelassen. Oder nach Westen, im Vorort Eiche, wo zum Beispiel der frühere Berliner Justizsenator Ehrhart Koerting lebt.

Aber auch viele Adlige mit klingenden Namen wie Heinrich XI. Prinz Reuss, der hier seinen Ruhestand genießt, kehren in die alte Preußenresidenz zurück. Man trifft sich auf privaten Kränzchen: Aber Graf und Gräfin, Baron und Baronin, Prinz und Prinzessin engagieren sich auch für die Stadt. Prinzessin Ulfa Reuss zum Beispiel hilft regelmäßig ehrenamtlich in Sanssouci aus. Der "rote" Potsdamer SPD-Unterbezirkschef Rainer Speer, zugleich Chef von Manfred Stolpes Staatskanzlei, besucht zwar nicht die blaublütigen Runden ("Ich bin nicht szenegängig"), aber ein Glas Wein und eine gute Zigarre auf Fernaus Dachgarten schlägt er nicht aus. Speer ist überzeugt, dass die Zuwanderer dem bisher eher provinziellen Potsdam "gut tun": "Sie tragen zur geistigen Belebung bei und werden die Streitkultur heben".

Selbst die PDS, die bei den "kapitalistischen" und adligen Neu-Potsdamern gewiss nicht auf neue Wähler hoffen kann, gibt sich milde: "Jeder, der Steuern zahlt und hier investiert ist in Potsdam willkommen", sagt PDS-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg, obwohl er Adel und Adelstreffen eigentlich "für ein überkommenes Relikt" hält. Allerdings sieht Scharfenberg auch die Gefahr, dass Oberbürgermeister Platzeck und der Magistrat dieser einflussreichen Klientel "zu weit entgegenkommen könnten, wofür es Ansätze gibt". Die PDS werde darauf achten, dass es keine Potsdamer erster und zweiter Klasse gibt.

Freilich, der Promi-Trend steckt erst in den Anfängen. Potsdams Traum zum Beispiel, Botschaften in Potsdam anzusiedeln, erfüllte sich bisher nicht. Platzeck ist dennoch optimistisch, dass die Flut an Tagungen, Kongressen, Staatsbesuchen und Empfängen verbunden mit der Mundpropaganda der Zugezogenen zu einem Schneeballeffekt führen wird. "Die Lust auf Potsdam wächst." Auch bei der Kanzlerfamilie, die regelmäßig - privat und offiziell - nach Potsdam kommt. Auf Wunsch von Doris Schröder-Köpf wird das Damenprogramm beim Staatsbesuch von Russlands Präsident Putin am Freitag in die Sanssouci-Stadt führen.

Potsdam. Die klassizistische Villa in der Beyerstraße 4, zwischen Neuem Garten und Kolonie Alexandrowka, ist bis unters Dach eingerüstet. Eine von vielen Baustellen in Potsdams feinen Villenvierteln, die sich wie eine Perlenkette um die Schlossparks Sanssouci, Neuer Garten und Babelsberg legen. Die Bauherrin auf dem Schild trägt einen prominenten Namen: Friede Springer. In Windeseile hat sich das Gerücht in Potsdam verbreitet: "Friede Springer verlässt Berlin und kommt nach Potsdam", sagt Restaurant-König Nico Gehn. "Das ist phantastisch."

Die Witwe des 1985 verstorbenen Verlegers Axel Springer will das so zwar nicht bestätigen. Ganz so weit sei es noch nicht, sagte sie dem Tagesspiegel. Sie habe das Haus erworben, um selbst etwas für die Sanierung der Innenstadt zu tun. Und sie schwärmt: "Potsdam ist eine wunderschöne Stadt, ein deutsches Juwel. Ich habe immer in der Nähe gewohnt. Aber Potsdam war, obwohl nur wenige Kilometer entfernt, unerreichbar. Hinter der Mauer." Jetzt sei sie oft hier, erst jüngst habe sie mit Chefredakteuren und Oberbürgermeister Platzeck das künftige Hauptgelände der Bundesgartenschau besichtigt. Kann sie sich vorstellen, für immer ins wiedererstehende preußische Arkadien zu ziehen? "Ja, ich schließe das nicht aus", sagt Friede Springer, die sich auch im Beirat für das geplante Preußenmuseum engagiert.

Berlins schönster Vorort, nur durch die Havel von der Hauptstadt getrennt, scheint wieder eine erste Adresse für Prominente aller Coleur zu werden, für Künstler und Chefredakteure, Adlige und Diplomaten, Unternehmer, Banker und Ministeriale, die - damals auch noch die Militärs - schon vor dem Krieg Bild und Leben der preußischen Residenz prägten. Die Zeiten, in denen Potsdam wegen der Negativ-Schlagzeilen eher abschreckte als anzog, sind offenbar vorbei. Keine andere Landeshauptstadt im Osten, ist Oberbürgermeister Matthias Platzeck überzeugt, erlebt einen solchen Zustrom. Die Prominenten bilden die Spitze der inzwischen 18 000 Personen, die seit der deutschen Einheit aus dem Westen nach Potsdam umgezogen sind.

Fernseh-Moderator Günter Jauch, der Potsdam mehr durch Zufall entdeckte, und Mode-Designer Wolfgang Joop, der hier geboren wurde, machten den Anfang: Beide bauen an einer der schönsten Stellen der Stadt, am glasklaren Heiligen See, vis à vis von Schloss Cecilienhof und Marmorpalais. Gleich daneben hat sich der Babelsberger Ufa-Chef Wolf Bauer einen Traum erfüllt: sein Palais im toskanischen Stil - selbst einige Apfelsinen- und Zitronenbäumchen fehlen nicht - ist beinahe fertig gestellt. Eine Ecke weiter in der Mangerstraße 15 haben die Medien-Macher Georgia Tornow und Ulrich Meyer einen bombastischen Mietpalast aus der Gründerzeit aufwendig saniert und sich im Hinterhaus eine Wohnung eingerichtet. Schräg gegenüber fällt eines der prachtvollsten Potsdamer Bürgerpaläste auf, 1894 im Historismus-Stil errichtet. Der Sachverständige und Unternehmensberater Karlheinz Fernau hat den Prunkbau bis ins letzte Detail originalgetreu restauriert. Regelmäßig lädt er einen illustren Kreis aus Politik, Wirtschaft, Kultur zu Salonabenden ein. Oder der Internet-Unternehmer Uwe Fenner, der seine berühmten Vierjahreszeiten-Gespräche von Berlin nach Potsdam verlegt hat und mit seinem kleinen Imperium feiner Kommunikationsfirmen im Ulmenhof am Jungfernsee residiert. Ende Juni wird hier Marc Samwer, Begründer von eBay Deutschland, vor ein paar hundert Top-Leuten referieren. Thema: "Das Internet wird wie Wasser und Strom." Schon vor Jahren hatte der ehemalige Potsdamer Bau-Staatssekretär Horst Gräf prophezeit, dass Potsdam, wenn es die Chance der Rückbesinnung auf seine Historie nutze, "ein Ort des Geistes und der Intellektualität" werden könne.

Peter Daniel, Prominenten-Zahnarzt und Vorsitzender des Anwohner-Vereins Berliner Vorstadt, der sich für Potsdams feinstes Villenviertel engagiert, stellt fest: "Es kommen immer mehr interessante Leute in die Stadt, die schon viel in der Welt herumgekommen sind." Erst jüngst sei ein hoher Weltbank-Mann, der viele Jahre in Amerika lebte, in der Berliner Vorstadt zugezogen. Auf der anderen Seite der Havel am Griebnitzsee in Babelsberg, wo schon vor dem Krieg die UFA-Stars lebten, haben sich unter anderem der Regisseur Volker Schlöndorff und der frühere Studio-Manager Friedrich-Carl Wachs niedergelassen. Oder nach Westen, im Vorort Eiche, wo zum Beispiel der frühere Berliner Justizsenator Ehrhart Koerting lebt.

Aber auch viele Adlige mit klingenden Namen wie Heinrich XI. Prinz Reuss, der hier seinen Ruhestand genießt, kehren in die alte Preußenresidenz zurück. Man trifft sich auf privaten Kränzchen: Aber Graf und Gräfin, Baron und Baronin, Prinz und Prinzessin engagieren sich auch für die Stadt. Prinzessin Ulfa Reuss zum Beispiel hilft regelmäßig ehrenamtlich in Sanssouci aus. Der "rote" Potsdamer SPD-Unterbezirkschef Rainer Speer, zugleich Chef von Manfred Stolpes Staatskanzlei, besucht zwar nicht die blaublütigen Runden ("Ich bin nicht szenegängig"), aber ein Glas Wein und eine gute Zigarre auf Fernaus Dachgarten schlägt er nicht aus. Speer ist überzeugt, dass die Zuwanderer dem bisher eher provinziellen Potsdam "gut tun": "Sie tragen zur geistigen Belebung bei und werden die Streitkultur heben".

Selbst die PDS, die bei den "kapitalistischen" und adligen Neu-Potsdamern gewiss nicht auf neue Wähler hoffen kann, gibt sich milde: "Jeder, der Steuern zahlt und hier investiert ist in Potsdam willkommen", sagt PDS-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg, obwohl er Adel und Adelstreffen eigentlich "für ein überkommenes Relikt" hält. Allerdings sieht Scharfenberg auch die Gefahr, dass Oberbürgermeister Platzeck und der Magistrat dieser einflussreichen Klientel "zu weit entgegenkommen könnten, wofür es Ansätze gibt". Die PDS werde darauf achten, dass es keine Potsdamer erster und zweiter Klasse gibt.

Freilich, der Promi-Trend steckt erst in den Anfängen. Potsdams Traum zum Beispiel, Botschaften in Potsdam anzusiedeln, erfüllte sich bisher nicht. Platzeck ist dennoch optimistisch, dass die Flut an Tagungen, Kongressen, Staatsbesuchen und Empfängen verbunden mit der Mundpropaganda der Zugezogenen zu einem Schneeballeffekt führen wird. "Die Lust auf Potsdam wächst." Auch bei der Kanzlerfamilie, die regelmäßig - privat und offiziell - nach Potsdam kommt. Auf Wunsch von Doris Schröder-Köpf wird das Damenprogramm beim Staatsbesuch von Russlands Präsident Putin am Freitag in die Sanssouci-Stadt führen.

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