Boxen : Prozess gegen Rudower Brandstifter

Anklage: Anschläge aus Fremdenhass

Berlin - Die beiden Brandanschläge auf zwei Rudower Einfamilienhäuser im Frühjahr hätten in einer Tragödie enden können. Doch glücklicherweise erlosch ein Brandsatz von selbst, im zweiten Fall hatte ein Taxifahrer Flammen gesehen und den Hauseigentümer geweckt.

Am Dienstag müssen sich die beiden Angeklagten Robert H. (18) und Markus P. (16) deshalb vor Gericht verantworten: Sie sollen in den Nächten zum 22. März und zum 20. April gemeinsam aus fremdenfeindlichen Motiven die Brandanschläge auf das Haus einer bosnischen und das einer türkischen Familie in Rudow verübt haben. Dazu haben sie laut Anklage Molotowcocktails aus benzingefüllten Bierflaschen hergestellt und in Richtung der Fenster geworfen. Die Brandsätze trafen jedoch die Fenster nicht, sondern prallten an den Hauswänden ab. Bei der zweiten Tat auf das Haus eines türkischen Unternehmers und dessen Familie waren jedoch ein Partyzelt und die Jalousien in Flammen aufgegangen. Die Staatsanwaltschaft wirft den Tatverdächtigen vor, bei den Anschlägen den Tod der schlafenden Hausbewohner in Kauf genommen zu haben.

Zudem hatten die Ermittler bei Markus P. im Juni in seiner Rudower Wohnung einen Laptop gefunden, auf dem sich zahlreiche Bild- und Videodateien mit kinderpornografischen Inhalten befunden haben sollen.

Beide Angeklagte gehören laut Polizei zur rechten Szene. Robert H. soll sogar eine der wichtigen Nachwuchskräfte der Rudower Neonaziszene sein, hieß es in linken Antifa-Kreisen. Der Neuköllner Ortsteil Rudow hat eine der aktivsten Neonaziszenen in Berlin. Nach dem Brandanschlag auf sein Haus sagte der türkische Unternehmer dem Tagesspiegel, dass in der Vergangenheit schon mehrmals Aufkleber der NPD an seinen Briefkasten geklebt worden waren. Bereits am Tag des Anschlags sei ihm klar gewesen, dass es sich bei dem Brandanschlag um eine fremdenfeindliche Tat handeln müsse. Denn der Neonaziangriff wurde am 20. April begangen – dem Geburtstag von Adolf Hitler. tabu

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