Prozess um Ermyas M. : Nebenklage empfiehlt Freispruch für Angeklagte

Im Prozess zum Angriff auf den Deutsch-Äthiopier Ermyas M. in Potsdam hat die Nebenklage einen Freispruch für die Angeklagten empfohlen. Ein zweites Stimmgutachten konnte die Täter ebenfalls nicht überführen.

PotsdamIm Prozess zum Angriff auf den Deutsch-Äthiopier Ermyas M. in Potsdam hat die Nebenklage einen Freispruch für die Angeklagten empfohlen. Zur Begründung verwies der Anwalt von Ermyas M., Thomas Zippel, nach dem 18. Verhandlungstag vor dem Landgericht Potsdam auf die mangelnde Beweislage.

Zippel betonte, Aufgabe der Staatsanwaltschaft sei es, be- und entlastende Fakten zu sammeln. Da es nicht genügend belastende Beweise gebe, wäre es eine Frage des Anstands, auf Freispruch zu plädieren. Er selbst wolle auch eine entsprechende Stellungnahme abgeben, müsse das aber noch mit seinem Mandaten beraten.

Zweites Stimmgutachten bringt keine Gewissheit

Auch ein zweites Stimmgutachten hatte nach Ansicht von Verteidigung und Nebenklage die Beschuldigten nicht überführen können. Die Stimme des Hauptangeklagten Björn L. sei nicht identisch mit jener auf dem Mailbox-Mitschnitt aus der Tatnacht vom Ostersonntag 2006, sagte ein Gutachter vor dem Potsdamer Landgericht. Die Wahrscheinlichkeit einer Übereinstimmung liege bei knapp unter 50 Prozent.

Das zweite Stimmgutachten im Prozess vor dem Landgericht Potsdam hatte die Staatsanwaltschaft beantragt, nachdem eine erste Expertise lediglich zu dem Ergebnis gekommen war, dass die Stimmen identisch sein könnten. Auf einer Skala zur Größe der Wahrscheinlichkeit einer Übereinstimmung hatte eine Gutachterin des Landeskriminalamtes den zweitschlechtesten Wert angegeben.

Für das zweite Gutachten hatte Oberstaatsanwalt Rüdiger Falch auf einen Professor der Universität Hannover verwiesen. Dieser habe eine Methode entwickelt, die als "akustischer Fingerabdruck" den Beweis erbringen könne, dass die Stimme des Hauptangeklagten mit der des Angreifers identisch sei.

Ermyas M. war am Ostersonntag 2006 an einer Haltestelle in Potsdam niedergeschlagen und schwer verletzt worden. Dem Angriff war ein Streit vorausgegangen, der von der Handy-Mailbox der Frau des Opfers aufgezeichnet wurde. In dem Prozess müssen sich der 30 Jahre alte Björn L. wegen gefährlicher Körperverletzung und der 31-Jährige Thomas M. wegen unterlassener Hilfeleistung verantworten. Sie bestreiten die Tat. Der Prozess wird am Mittwoch (13. Juni) mit den Plädoyers fortgesetzt. (mit ddp und dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar