Boxen : Radtour in die Geschichte

Der Mauerradweg ist so gut wie fertig. Auf 160 Kilometern kann man die einstige Grenze abfahren – und erfahren

Jörn Hasselmann

Berlin - Der Mauerradweg ist vollendet – fast. Die Senatsverkehrsverwaltung feierte gestern die Fertigstellung des Weges „in seinen wesentlichen Teilen“ rund um West-Berlin. 160 Kilometer ist der Weg lang, den der frühere Senator Peter Strieder (SPD) bei Baubeginn vor sechs Jahren einen „Lehrpfad für Radler und Spaziergänger“ nannte. Hundertprozentig originalgetreu ist dieser Lehrpfad allerdings nicht mehr, auf sechs Prozent der Strecke mussten mittlerweile privatisierte Grundstücke umgangen werden. Auf 80 Prozent der Strecke waren die asphaltierten Wege noch vorhanden, 14 Prozent wurden neu angelegt und asphaltiert, darunter auch die frühere und bei Radlern berüchtigte Schiebestrecke durch die Sanddünen am Kladower Luisenberg. Dort wie auch an anderen Stellen waren nach der Wende die ehemaligen Kolonnenwege der DDR-Grenztruppen oder die „Zollwege“ der West-Berliner Polizei und der Alliierten beseitigt worden. 600 recht kleine Schilder weisen mittlerweile den Weg. Das Ganze hat 4,4 Millionen Euro gekostet. Teilweise ist die Strecke rennradtauglich, teilweise sind breite Reifen erforderlich.

Dass die Strecke entlang der ehemaligen Mauer überhaupt erhalten wurde, ist dem früheren Berliner Grünen-Abgeordneten Michael Cramer zu verdanken, der heute im Europaparlament sitzt. Cramer hatte gleich nach der Wende mit Blick auf die touristische Bedeutung die Erhaltung des Weges gefordert und war demonstrativ die Strecke abgeradelt. Die Verkehrsverwaltung hat sich nach eigenen Angaben bei der Internet-Beschreibung der Strecke an Cramers Etappen orientiert. So liegen alle Start- und Zielpunkte an S-Bahnhöfen, einzige Ausnahme ist der Startpunkt an der BVG-Fähre in Kladow. Denn mit der stündlich fahrenden Fähre von Wannsee kann man einen etwa 26 Kilometer langen Umweg über Potsdam vermeiden, den die Havelgewässer sonst nötig machen.

Dass der Mauerweg noch nicht ganz fertig ist, liegt unter anderem an einer fehlenden Unterführung an der S-Bahn-Strecke Lichtenrade-Mahlow. Dort müssen Radfahrer wie berichtet einen kilometerlangen Umweg durch die Wolziger Zeile in Lichtenrade fahren. Denn beim Wiederaufbau der S-Bahnstrecke war ein Tunnel für Radfahrer vergessen worden. Nach Angaben von Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) werde weiterhin mit den Brandenburger Behörden „geredet“. Wie berichtet, plant Mahlow innerhalb von 500 Metern drei Unterführungen, aber keine für den Mauerweg. Die dafür erforderlichen 500 000 Euro hat Berlin nicht.

Im Internet lässt sich der Mauerweg unter www.berlin.de/mauer hervorragend verfolgen. Die interaktive Karte ist über ein Luftfoto von Berlin im Maßstab 1:3000 gelegt. Details wie Gedenkorte oder der exakte Verlauf der früheren Mauer lassen sich per Mausklick einblenden. Nach Angaben von Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD) ist der Internetauftritt auch ein Teil des Gedenkkonzepts Berliner Mauer.

Das Buch zur Strecke hat Michael Cramer geschrieben: „Berliner Mauer-Radweg“, das für 9,90 Euro zu haben ist. Cramer bietet auch in diesem Sommer wieder Touren an, Termine unter www.michael-cramer.eu/mauer/

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