• Rechtsextremismus: Der Journalist Justin Jin bestreitet Provokation der Rechtsradikalen beim Rundgang mit Asylbewerbern (Interview)

Boxen : Rechtsextremismus: Der Journalist Justin Jin bestreitet Provokation der Rechtsradikalen beim Rundgang mit Asylbewerbern (Interview)

Der Verein "Opfer-Perspektive" hat den beiden Rath

Justin Jin, britischer Journalist chinesischer Abstammung, war am Dienstag in Rathenow (Kreis Havelland) als Zeuge auf dem Weg zum Schnellverfahren gegen einen 21-jährigen Angeklagten. Der Journalist und drei afrikanische Asylbewerber waren in der vergangenen Woche in Rathenow von einem Jugendlichen angepöbelt worden.

Vier Tage nach dem tätlichen Angriff auf den britischen Journalisten Jin in Rathenow ist ein 21-jähriger Mann zu einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Der Rathenower hatte nach Überzeugung des Gerichts dem Journalisten auch einen Schlag ins Gesicht versetzt.

Der Verein "Opfer-Perspektive" hat den beiden Rathenower Polizistinnen vorgeworfen, sie hätten sich mit dem Rechten verbrüdert.

Verbrüdern ist übertrieben. Ich will auch nicht behaupten, dass die beiden Polizistinnen mit den Rechten sympathisierten. Das weiß ich nicht. Vielleicht sind sie rassistisch, vielleicht war es für sie nur der einfachste Weg, mit der Situation fertig zu werden: Da steht ein Skinhead. Der ist betrunken, brüllt und hat einen Stein in der Hand. Mit dem werden sie noch öfter zu tun haben, denn er wohnt im selben Ort. Da nimmt man lieber einen der Ausländer mit. Wir waren ruhig und sehr höflich. Ich bin als Journalist schon öfters bedroht worden, da ist es immer am besten, Ruhe zu bewahren. Aber selbst wenn sie die Situation nur schlichten wollten, ist es genauso schlimm: Wieder ist ein Ausländer das Opferlamm.

Was war genau passiert?

Der Skin hatte uns angepöbelt, er hatte mir mit der Faust gegen den Kiefer geschlagen. Also rief ein Freund die Polizei. Ich machte ein Foto von einer Polizistin, wie sie mit dem Skin sprach. Da sprangen beide Beamtinnen auf mich zu, drehten mir den Arm auf den Rücken und zerrten mich in den Polizeiwagen. Im Auto wollte ich meinen Anwalt anrufen, doch sie nahmen mir das Handy weg. Erst als ich auf der Wache meinen Presseausweis zeigte änderte sich die Stimmung. Die dachten, ich sei Asylbewerber.

Die Polizei sagt, alles sei ein Missverständnis gewesen. Denn die beiden Frauen sprechen kein Englisch und Sie kein Deutsch.

Aber Christopher Nsoh war dabei. Er ist Asylbewerber aus Kamerun und spricht ganz gut Deutsch. Er hat der Polizistin Sch. alles erklärt: Dass der Skinhead einen Stein in der Hand hält und dass er mir ins Gesicht geschlagen hat. Sie hat es sogar aufgeschrieben.

Glauben Sie, die Polizistinnen fühlten sich provoziert, weil Sie ein Foto von einer von ihnen machten?

Dann haben sie übertrieben reagiert. Wir hatten die Polizei gerufen, weil wir attackiert wurden. Und dann lassen sie meine Freunde mit dem Aggressor einfach zurück.

Die Polizei sagt, Beamte in Zivil hätten sich bei den Schwarzafrikanern vorgestellt und sie zum Revier begleitet.

Bei denen hat sich niemand vorgestellt.

Für wen schreiben Sie?

Früher war ich lange bei der Nachrichtenagentur Reuters. Seit drei Jahren bin ich Freelancer: Meine Fotos verkaufe ich an den Spiegel, National Geographic, Time.

Was haben Sie in Rathenow recherchiert?

Ich arbeite zurzeit zum Thema Rechtsradikalismus. Rathenow war meine erste Station auf einer Reise durch Ostdeutschland. Ich habe im Asylbewerberheim übernachtet, bei Nsoh, einem Freund. Ehrlich gesagt, hatte ich Angst, alleine im Hotel zu wohnen. Dann würde ich tagsüber womöglich ein Foto von einem Skinhead machen und abends müsste ich alleine nach Hause gehen.

Was sagen Sie zum Vorwurf, dass Sie die Situation provoziert hätten, um eine gute Story zu haben.

Ich kenne das Problem. Aber hier in Rathenow sprang mich der Rassismus förmlich an.

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