Boxen : Rechtsextremist sticht Libanesen nieder

FRANK JANSEN

SCHWEDT/EBERSWALDE .Sechs Wochen nach dem Tod des Asylbewerbers Omar Ben Noui in Guben wäre in Brandenburg beinahe wieder ein Flüchtling rechtsextremer Gewalt zum Opfer gefallen.Am Samstag stach in Schwedt ein 19jähriger Skinhead mit seinem Messer einen Libanesen nieder, der nur durch eine Notoperation gerettet werden konnte.Allerdings ist der Zustand des Asylbewerbers weiterhin kritisch.Der Täter konnte kurz nach dem Angriff gefaßt werden und sitzt bereits in Untersuchungshaft.Auch Eberswalde war erneut Schauplatz rechtsextremer Straftaten: Vier junge Männer brüllten "Sieg Heil", zwei von ihnen schossen mit einer Schreckschußpistole auf eine besetzte Telefonzelle.Auch gegen diese beiden Männer hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) Haftbefehle beantragt.



Angesichts der Bluttat in Schwedt konnte der ermittelnde Staatsanwalt aus Frankfurt (Oder), Michael Neff, sein Entsetzen nicht verbergen: "Das war versuchter Mord auf niedrigstem Niveau.Ich kann nicht nachvollziehen, daß jemand zu so etwas fähig ist." Laut Neff hatte der Täter namens Thomas A.mit Freunden auf einem Balkon in einem Schwedter Plattenbau gestanden, als er auf der Straße zwei Ausländer herankommen sah.Er wolle jetzt einen Ausländer abstechen, sagte Thomas A.und lief hinunter.Bevor ihn ein mitgekommener Freund zurückhalten konnte, stach der Skinhead dem überraschten Libanesen in den Rücken.Das Opfer wurde unter dem rechten Schulterblatt getroffen.Der große, zwei Zentner schwere Glatzkopf führte den Stich mit solcher Wucht, daß die Klinge seines Messers im Körper des Libanesen abbrach.

Die Tat ereignete sich gegen 15 Uhr 50, auf einer belebten Straße.Der zweite Asylbewerber versuchte noch, den Angreifer abzuwehren.Nach dem Stich rannte Thomas A.weg.Ein Autofahrer rief per Handy die Polizei, die den Skin rasch festnehmen konnte.

Nach Angaben von Staatsanwalt Neff sagte Thomas A.der Polizei, wenn er ein zweites Messer gehabt hätte, wäre auch der andere Ausländer dran gewesen.Der Skinhead habe vor der Tat Alkohol zu sich genommen, sei aber "zielgerichtet vorgegangen", meinte Neff."Es gab keinerlei Täter-Opfer-Beziehung", so der Staatsanwalt, "wer aus objektiv nichtigem Anlaß versucht, jemanden zu töten, muß mit härtester Strafe rechnen".Thomas A.sei bereits wegen anderer Gewaltdelikte einschlägig bekannt.

Ebenfalls am Samstag nachmittag randalierten in Eberswalde vier junge Rechtsextremisten.Am Rande einer Demonstration gegen den NATO-Angriff auf Jugoslawien hätten sie "Sieg Heil" gebrüllt, teilte Neff mit.Zwei der jungen Männer seien dann zu einer Telefonzelle gegangen, in der sich zwei Personen befanden.Die Rechten hätten mit einer Schreckschußpistole auf die Zelle geschossen.Verletzt wurde aber offenbar niemand.Die Staatsanwaltschaft beantragte zwei Haftbefehle gegen die einschlägig vorbestraften Rechtsextremisten.

In Ludwigsfelde wurde Samstag abend eine 31jährige Frau bedroht, die mit ihrem aus Mozambik stammenden Mann und den gemeinsamen vier Kindern in ein Mehrfamilienhaus einziehen will.Ein 38 Jahre alter Potsdamer habe die Frau beschimpft, sie solle mit dem "Neger" und den Kindern verschwinden, teilte das Polizeipräsidium Potsdam mit.Außerdem bedrohte er die Frau mit einem Knüppel.Der Mann schlug obendrein einen der Polizisten, die von der Frau gerufen worden waren.

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