Boxen : Regine Hildebrandt: Sie will Ostdeutschland weiter Mut machen

Thorsten Metzner

Regine Hildebrandt guckt etwas ungläubig. Hat Manfred Stolpe wirklich eben gesagt, dass er sie wegen der heutigen Auszeichnung "ganz herzlich" von Berlins Regierendem Bürgermeister Eberhard Diepgen grüßen möge? Stolpe hat. Er solle ausrichten, setzt Brandenburgs Regierungschef noch eins drauf, dass es eine "gute Tat für Berlin und Brandenburg" sei, "wenn Brandenburg nun kompensiert, was wir in Berlin nicht zustande gebracht haben." Hildebrandt, die ihre christdemokratischen Pappenheimer schließlich kennt, noch skeptischer: "Das soll er gesagt haben?" Stolpe: "Na ja, sinngemäß!" Gelächter unter den einhundert Weggefährten und Mitarbeitern ihres früheren Ministeriums, die sich anlässlich der Auszeichnung Hidlebrandts mit dem "Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland" (so der amtliche Titel) eingefunden haben.

Zu den Gratulanten zählten aber auch der von Hildebrandt besonders geschätzte PDS-Landeschef Ralf Christoffers, PDS-Fraktionschef Lothar Bisky und der parteilose Ex-Justizminister und frühere Diplomat Hans-Otto Bräutigam. Ursprünglich sollte Hildebrandt der vor geraumer Zeit beantragte und von Bundespräsident Johannes Rau verliehene Orden im Zusammenhang mit ihrem 60.Geburtstag im April übergeben werden. Aber die Feststunde wurde von Stolpes-Staatskanzlei demonstrativ vorverlegt, nachdem in der Vorwoche im Berliner Abgeordnetenhaus die Auszeichnung der an Krebs erkrankten Sozialdemokratin mit der Louise-Schroeder-Medaille am Widerstand der CDU gescheitert war. Und, weil Brandenburgs CDU-Landeschef Jörg Schönbohm just die bereits 1999 aus Protest gegen die Große Koalition aus der Regierung ausgeschiedene Hildebrandt für den Skandal im Maßregelvollzug verantwortlich machte, gar vom "Augiasstall" sprach. Es sei jedenfalls nicht so, dass die Entscheidung des Bundespräsidenten "auf die Schnelle wegen gewisser brandenburgfeindlicher Entscheidungen in Berlin" gefallen sei, so Stolpe. Hildebrandt, im grauen Jackett, um den Hals einen roten Schal, verfolgte mit nachdenklicher Miene die Laudatio des Regierungschefs, der sie wegen ihres "geradlinigen Politikstils", ihrer Verdienste für das Zusammenwachsen Deutschlands, vor allem aber auch als "Mutmacherin der Ostdeutschen" würdigte. Ja, sie wolle Mut machen, entgegnete die Politikerin in ihrer ernsten, bisweilen launigen und in gewohnter Energie gehaltenen Dankesrede "für das Ding". So hätten ihr gerade zwei Drogensüchtige aus Westdeutschland geschrieben, sich an ihrem offenen Umgang mit der Krebserkrankung aufgerichtet zu haben. Eigentlich habe sie ja, aus DDR-Zeiten rührend, ein gespaltenes Verhältnis zu Orden, gestand die 59-Jährige. Sie hoffe, dass spätestens ihre Enkel die Angleichung von Ost und West und den Abbau der Arbeitslosigkeit erleben würden. Und die CDU? Als einzige CDU-Ressortchefin reihte sich Kulturministerin Johanna Wanka in die lange Schlange der Gratulanten ein. "Alle Minister und Staatssekretäre wurden eingeladen", erzählte auch Wirtschaftsstaatssekretär Wolfgang Vogel, der als zweiter Politiker mit CDU-Parteibuch sichtlich begeistert Hildebrandts-Auftritt verfolgte.

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