Boxen : Regine Hildebrandt: SPD-Politikerin denkt noch lange nicht an Rückzug

Michael Mara

Gestern im Willy-Brandt-Haus in Berlin: Regine Hildebrandt diskutiert mit Sozialdemokraten aus Saarbrücken über das Zusammenwachsen zwischen Ost und West - auch über die umstrittene Annäherung der SPD an die PDS. Eine Thema, das der einstigen Ministerin am Herzen liegt: 1999 verließ sie demonstrativ die Potsdamer Regierung, weil Stolpe und ihre Partei nicht mit der PDS, sondern mit der CDU eine Koalition eingingen. Jetzt sieht sich Hildebrandt durch die Berliner Entwicklung bestätigt.

In ihrem Büro im Willy-Brandt-Haus gibt sie an diesem Dienstag fleißig Telefon-Interviews: Journalisten wollen wissen, warum die 60-jährige trotz Krebskrankheit wieder für den Bundesvorstand der Partei kandidieren will. Eine merkwürdige Frage für die Politikerin: Sie wäre gar nicht auf die Idee gekommen, nicht wieder für den Bundesvorstand zu kandidieren, solange sie die Kraft dazu habe. SPD-Landeschef Matthias Platzeck hatte ihr die erneute Kandidatur angetragen: Selbstverständlich, dass Hildebrandt "Ja" sagte. Freunde heben ihr "ungeheures Pflichtbewußtsein" hervor: Sie könne gar nicht aufhören angesichts der vielen ungelösten Aufgaben im Osten, außerdem sei die Politik vor den Abgeordnetenhaus-Wahlen in Berlin und vor der Bundestagswahl besonders spannend. "Sie will weiter mitmischen" und ihr Zustand erlaube das auch, versichern Freunde. Es gehe ihr, obwohl sie weiter chemotherapeutisch behandelt werde und der Krebs sich nicht zurückgebildet habe, den Umständen entsprechend gut.

Die bekannteste SPD-Politikerin absolviert derzeit wöchentlich 15 bis 20 Termine, manchmal auch wesentlich mehr. Kaum ein Tag vergehe, ohne dass auf ihrer vom SPD-Landesvorstand betreuten Internet-Hompage Anfragen nach Auftritten eingehen: Sie könne gar nicht alle Termine wahrnehmen, heißt es bei der SPD. Ihre Popularität ist offensichtlich ungebrochen, obwohl selbst hohe SPD-Bundespolitiker nach ihrem Ausscheiden aus dem Stolpe-Kabinett prophezeit hatten, dass bald niemand mehr von ihr reden werde. Geirrt! Selbst Kanzler Schröder konsultiert sie, wenn es um Ostdeutschland geht.

Auch die märkischen Parteigenossen wissen, dass Hildebrandt 2004 als "Wahllokomotive" im Grunde unverzichtbar ist, erst recht, da man wieder die Alleinherrschaft anstrebt. Dass nach ihrem Rückzug zunächst frostige Verhältnis der Partei zu ihr hat sich inzwischen entspannt: "Spätestens seit der Feier zu ihrem 60. Geburtstag ist der Frieden wiederhergestellt", so ein Genosse. Hildebrandt hat Platzeck bei den Kommunal- und Bundestagswahlen Unterstützung zugesagt. Keine Frage, dass sie auch beim Landtagswahlkampf mitmischt. "Sie ist jemand, der das braucht und sich mit der Krankheit nicht abfindet", sagt ein SPD-Politiker.

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