Regionalkonferenz : Linke Führung ermüdet die Basis

Im Germendorfer Saal des "Fröhlichen Landmanns" hält die Linke eine Regionalkonferenz zum Koalitionsvertrag ab. Fröhlich geht es bei den 250 Genossen aber nicht unbedingt zu.

Claus-Dieter Steyer

Germendorf - Nach zwei Stunden Vortrag und schleppender Diskussion platzte Mathis Oberhof aus Mühlenbeck der Kragen. „Wir sind hier nicht auf einer Beerdigung, sondern bereiten uns auf die Regierungsbeteiligung vor. Wir haben allen Grund zur guten Laune“, rief er in den Saal des „Fröhlichen Landmanns“ in Germendorf bei Oranienburg und weckte damit nicht wenige der 250 Genossen der Linkspartei. Sie hatten bei der nicht enden wollenden Erklärung der Koalitionsvereinbarung durch Fraktionschefin Kerstin Kaiser abgeschaltet. Die Parteibasis aus dem ganzen nördlichen Brandenburg erfuhr mehr oder weniger erhellende bis ermüdende Details aus 15 Themenpaketen, durch die sich das Wort „Kompromiss“ wie ein roter Faden zog.

Manch einer der überwiegend älteren Teilnehmer der Regionalkonferenz mag sich an frühere Parteiversammlungen erinnert gefühlt haben. Das siebenköpfige Team der Verhandlungen mit der SPD thronte auf einer Bühne über dem Parteivolk. Der Veranstaltungsort passte eher zur Landjugend als zu einer Regierungspartei: In der Saalmitte hing eine Diskokugel. Die Wände schmückten wahlweise große Spiegel, Gemälde von Schweinen und Hühnern oder Lichtschlangen.

Offensichtlich wollte die Parteiführung ohnehin keine große Diskussion über das Koalitionspapier. Wer gegen die Führung aufbegehrte, hatte keine Chance. „Die Linken haben jetzt den Makel eines regierungsgeilen Umfallers vor Herrn Platzeck“, rief etwa der Kremmener Kreistagsabgeordnete Reiner Tietz. Er wollte wissen, was unter einer „Abkehr von der Verklärung der SED-Diktatur“ in der Präambel der Vereinbarung zu verstehen sei. „Warum hat man da nicht DDR-Diktatur geschrieben?“, fragte er. Die Antwort bekam er nicht mehr mit. Tietz musste das Mikrofon abgeben und verließ wutentbrannt den Saal. Danach war auch die Handvoll junger Genossen der Linken hellwach. Sie hatten ihre Kritik an der Führungsspitze in einer Broschüre auf 18 Seiten abgedruckt. Es war das einzig Konkrete, das man aus Germendorf mitnehmen konnte. 

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