• Rettung für den kleinen Spreewald Ein Wehr soll das Idyll in Schöneiche schützen

Boxen : Rettung für den kleinen Spreewald Ein Wehr soll das Idyll in Schöneiche schützen

Claus-Dieter Steyer

Schöneiche - Am östlichen Berliner Stadtrand macht Schöneiche seinem Namen alle Ehre macht, doch in jedem Sommer lauert hier die Gefahr der Zerstörung: Dem bei Ausflüglern und Einheimischen beliebten kleinen Spreewaldpark droht die Austrocknung. Dank der diesjährigen Niederschläge reicht zwar das Wasser in dieser künstlich angelegten Idylle jetzt noch für eine Kahnpartie, aber der Grundwasserspiegel liegt weit vom üblichen Maß entfernt. Nun ist Rettung in Sicht: Dank einer 30 000-Euro-Spende der Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg kann der Bau einer neuen Wehranlage zum Aufstauen des Mühlenfließes beginnen.

Das jetzige Wehr entstand vor 30 Jahren mangels Baumaterial aus Straßenbahnschienen und Betonteilen und ist längst porös. Der Wasserstand lässt sich damit schon eine ganze Weile nicht mehr regulieren, das Wasser fließt ungenutzt davon. Zur Spende kommen Eigenmittel der Gemeinde und viele hundert unbezahlte Arbeitsstunden des örtlichen Naturschutzaktivs und der Schüler.

In den zwanziger Jahren hatte der Besitzer eines Gartenlokals die Idee, einen kleinen Spreewald für die Berliner Sommergäste anzulegen. Max Mann hatte damit einen Volltreffer gelandet: In Scharen kamen die Großstädter mit S-Bahn und Straßenbahn in das Lokal, gönnten sich eine Kahnfahrt wie im richtigen Spreewald und sprangen in den künstlichen See. Das war zu DDR-Zeiten nicht viel anders. Legendär sind die Strafen, die unerlaubte nächtliche Spritztouren mit dem Kahn nach sich zogen. Die Übeltäter mussten die Gäste sonntags kostenlos durch die 700 Meter langen Kanäle und Fließe schippern. Aus dem See wurde ein schickes Freibad mit 25 Meter langen Bahnen. Doch die Wende brachte das Aus. Die hygienischen Bedingungen entsprachen nicht mehr den bundesdeutschen Normen. Das Bad wurde geschlossen.

1997 begann die Wiederbelebung. Rührige Einwohner und alle Schüler des 12 000-Einwohner-Ortes gruben die einstige Idylle buchstäblich wieder aus. Heute spazieren die Besucher auf zwei Kilometer langen Wanderwegen durch einen in der Nähe der Großstadt kaum vermuteten Urwald. Sonntags von 10 bis 12 und von 13 bis 16 Uhr kann in dem ausgeschilderten Spreewaldpark an der Berliner Straße 1 a sogar wieder eine Kahnfahrt gebucht werden. Der Fährmann (Telefon 030/649 03 765 oder 030/643 89 561) dreht auf Anfrage auch an anderen Tagen seine Runden. Nicht nur er hofft, dass der Park künftig dank des neuen Wehrs nicht mehr auf dem Trockenen sitzt.

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