Boxen : Rindfleischessen in Zeiten von BSE: Ochsengalopp

Bernd Matthies

Als Klaus Töpfer noch Umweltminister war und seine Arbeit loben wollte, sprang er kopfüber in den Rhein. Das hat ihm, soweit es sich beurteilen lässt, nicht geschadet. Doch trotzdem hat kaum jemand diesen Sprung zum Anlass genommen, es ihm nachzutun. So ist das eben mit demonstrativen politischen Bekundungen.

Dennoch möchte kein populistischer Politiker auf sie verzichten. Heute zum Beispiel werden sich Roland Claus von der PDS und Amtstierarzt Siegbert Meseck, gleichzeitig CDU-Parlamentarier, in Lenzen in der Prignitz zum Rindfleischessen treffen. Sie wollen Gekochtes, Gebratenes und Gegrilltes futtern bis zum Abwinken, und am Ende der Aktion soll, so möchte es die gastgebende Agrargesellschaft, das Vertrauen der Verbraucher gestärkt sein.

Das kann nicht schief gehen. Denn wenn wir etwas sicher wissen über BSE, dann ist es die Tatsache, dass niemand sofort nach einer Infektion tot umfällt. Die beiden Politiker werden also die nächsten Jahre einer geregelten Beschäftigung nachgehen und dabei immer wieder als lebender Beweis dafür gelten, dass Rindfleisch eben doch ganz harmlos sei. Man möchte ihnen raten, auch Bries, Mark und vielleicht eine Brägenwurst zu kosten - selbst dann werden sie die Tafel bei bester Gesundheit verlassen ...

Sind die Verbraucher so doof, dass sie ihr Verhalten nach derlei billigen Gesten ausrichten? Nein: siehe Töpfer. Es braucht handfeste Erkenntnisse und keine tapferen Kamikaze-Aktionen, um dem Rindfleisch wieder auf den Markt zu helfen. Der zuständige SPD-Mann bleibt dem Ereignis übrigens fern. Das lässt darauf schließen, dass er jedenfalls kein Ochse ist.

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