Rockerszene : Hells Angels übernehmen Potsdam

Rocker-Konkurrenz des Rockerklubs Gremium MC zieht weg, dessen Klubhaus ist seit August geräumt. Richter verbieten Kutten im Gericht, im gesamten Gebäude darf keine der typischen Rockerwesten mit Insignien der Bruderschaft getragen werden.

von und
Ihr Erkennungszeichen, die Kuppen, dürfen die Rocker in Gerichtsgebäuden nun nicht mehr tragen.
Ihr Erkennungszeichen, die Kuppen, dürfen die Rocker in Gerichtsgebäuden nun nicht mehr tragen.Foto: dpa

PotsdamDie Potsdamer Rockerszene ist fest in der Hand der Hells Angels. Das bestätigen Ermittler aus Berlin und Brandenburg. In Potsdam hatten auch Berliner Hells Angels mitgemischt, als es darum ging, die Rivalen des Rockerklubs Gremium MC zu vertreiben. Dessen Klubhaus ist seit August geräumt. Die meisten Mitglieder treten jetzt als sogenannte „Freebiker“ auf, also als lockerer Zusammenschluss von Motorradfahrern. Einige Gremium-Männer sind zur Dependance nach Frankfurt (Oder) gewechselt.

Der 2007 gegründete Potsdamer Gremium-Ableger hatte Anfang 2009 Konkurrenz durch die Hells Angels bekommen, dabei waren auch Schusswaffen im Spiel. Die Hälfte der Hells Angels in Potsdam ist der Polizei zufolge vorbestraft, viele arbeiten als Türsteher. Erst kürzlich ist auf Mallorca ein einst hochrangiges Mitglied der Potsdamer Hells Angels bewaffnet festgenommen worden: Christopher R. hatte als Hooligan bei der Fußballweltmeisterschaft 1998 den französischen Polizisten David Nivel zum Krüppel geprügelt, auf Mallorca sollte er eine Niederlassung der Hells Angels aufbauen.

Kommende Woche wird in Potsdam ein Urteil gegen drei Hells Angels wegen räuberischer Erpressung erwartet. Sie sollen Schutzgeld von einem Tattoo-Studio-Inhaber aus Beelitz kassiert haben. Als Drohung habe ein Rocker ein gestohlenes Schaf getötet und den Kadaver vor die Tür des Tätowierers gelegt.

Das Oberverwaltungsgericht Berlin- Brandenburg hat in diesem Zusammenhang ein Verbot sogenannter Kutten für das Landgericht Potsdam bestätigt: Im gesamten Gebäude darf keine der typischen Rockerwesten mit Insignien der Bruderschaft getragen werden. Das Oberverwaltungsgericht bestätigte damit eine Entscheidung des Landgerichtspräsidenten. Die Richter wiesen die Beschwerde eines Hells Angels zurück, der als Zuschauer im Prozess seine Motorradkutte tragen wollte.

In dem Verfahren spiele das von Mitgliedern der Hells Angels ausgehende Bedrohungspotenzial eine Rolle, hieß es nun. Es bestehe Grund zur Annahme, dass das sichtbare Auftreten von Angehörigen der Rockertruppe das Sicherheitsgefühl von Verfahrensbeteiligten beeinträchtigen könne.

Autor

12 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben