Boxen : Rot-rote Annäherung

Platzeck beglückwünscht Ex-SED-Politiker Vietze

Thorsten Metzner

Potsdam - Vor Jahren war das selbst für die eher familiäre Brandenburger Politik undenkbar: Matthias Platzeck hat gestern „als Ministerpräsident“ und „im Namen der Landesregierung“ einem Mann seine Referenz erwiesen, der einst für ihn ein rotes Tuch war. Die Rede ist von Heinz Vietze, gestern 60 geworden, bisher einflussreichster PDS-Politiker im Land und ausgestattet mit einer umstrittenen Vita. So war er als letzter SED-Bezirkssekretär in Potsdam auch verantwortlich für Einsätze gegen Bürgerrechtler wie Platzeck.

In seiner sehr persönlichen Laudatio auf dem Geburtstagsempfang Vietzes sprach der Regierungschef von einer „schwierigen Annäherung“. Er zollte „Heinz“ Respekt für dessen selbstkritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, vor allem aber für seine Leistungen „für die junge Demokratie“ im Land. „Eins habe ich schätzen gelernt: Sein Handschlag gilt.“ Er nannte es einen „Kardinalfehler“ der SPD, nach 1990 nicht differenzierter mit früheren SED-Genossen umgegangen zu sein. „Oskar hätte es heute schwerer, wenn wir damals klüger gewesen wären.“ Lafontaine, der unter den fast 400 Gratulanten war, nickte zustimmend. Erschienen waren auch Gregor Gysi, Lothar Bisky, fast die gesamte Brandenburger SPD-Führung, vereinzelt auch CDU-Politiker wie Peter Michael Diestel und der parteilose frühere Diplomat und Justizminister Hans Otto Bräutigam sowie frühere SED-Funktionäre wie Hans Modrow und der ehemalige Potsdamer Bezirkssekretär Günther Jahn. Wenn sich Platzeck und Vietze offen versöhnen, muss die Eiszeit zwischen SPD und PDS vorbei sein, waren sich Teilnehmer einig.

Auch Vietze , der nach 17 Jahren als parlamentarischer Geschäftsführer der Linksfraktion abtritt, hatte eine Botschaft für Platzeck: „Ich will den Weg freimachen. Wenn Sie Rot-Rot wollen, Sie können und dürfen!“Thorsten Metzner

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