Boxen : Schädliche Debatte

Thorsten Metzner

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Werden die nach 1999 eingeführten Leistungsprofilklassen wieder abgeschafft oder bleiben sie? Der Konflikt ist ein Streit der Ideologien – gemeinsames Lernen gegen gegliederte Schulsysteme –, aber dafür sind die Leistungsprofilklassen das falsche Feld. Mag die SPD noch so oft behaupten, dass die gemeinsame sechsjährige Grundschule für alle Kinder durch den früheren Abzug der Besseren in Gefahr gerate, es bleibt ein Vorwand. Weil es um nur 29 Klassen im Land geht, also gut zwei pro Landkreis. Die Sozialdemokraten selbst haben dafür gesorgt, dass es Ausnahmen blieben. Es wäre kurzsichtig, die Schnelllernklassen auszubremsen. Sie sind zurzeit beinahe das einzige flächendeckende Angebot zur intensiven Förderung von begabten Schülern im Grundschulalter. Mehr noch: Die Leistungsprofilklassen sind erfolgreich, wie das Landesinstitut für Schule und Medien diagnostiziert. Man ahnt, warum dessen seit Ende 2004 im SPDBildungsministerium vorliegende Studie noch unveröffentlicht ist. Aber auch die bald fertige Folgestudie wird zum gleichen Ergebnis kommen: Siebtklässler, die nach dem vierten Schuljahr ans Gymnasium wechselten, sind Achtklässlern ebenbürtig, teilweise voraus. Sie würden das nie schaffen, wären sie an den Grundschulen geblieben. Die Schnelllernklassen helfen also, das zu geringe Niveau des Bildungssystems in Brandenburg anzuheben. Schon die Debatte über ihren Fortbestand ist schädlich, zumal die ins Spiel gebrachten Alternativen – eine Hand voll von ins Land gestreute Spezialklassen für sprachliche, musische oder mathematische Talente – nicht durchgerechnet sind.

Die Eltern haben ein Recht zu erfahren, ob es sich lohnt, ihre Kinder für Leistungsklassen anzumelden. Das Credo von Ministerpräsident Matthias Platzeck für den zweiten Aufbruch Brandenburgs lautet: „Die Stärken stärken.“ Das muss auch für die Bildungspolitik gelten.

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