Boxen : Schatz kauft Silbersee

Der Chef des Filmparks Babelsberg übernimmt die insolvente Westernstadt Silver Lake City

Claus-Dieter Steyer

Templin - In der uckermärkischen Einöde vor Templin sollen die Colts wieder rauchen, Indianer tollkühn durch die Straßen reiten, vermeintliche Gauner ihre Taschenspielertricks zeigen. Die nach nur einer Saison in die Pleite gerutschte Westernstadt einer bayerischen Investorengruppe versucht am 1. Juni den Neubeginn. Friedhelm Schatz, Geschäftsführer des Filmparks Babelsberg, unterzeichnete gestern den Kaufvertrag für das rund 200 000 Quadratmeter große Areal der Silver Lake City am Röddelinsee, rund 80 Kilometer nördlich Berlins. In sein „Eldorado“, wie die Stadt nun heißen soll, will Schatz bis Ende Oktober bereits 70 000 Besucher locken. Ab der übernächsten Saison rechnet er mit jährlich 100 000 Gästen. „Mich reizt die Herausforderung, auf dem platten Land mit einem Freizeitpark Geld zu verdienen“, sagte Schatz. „Die Westernstadt ist ja wie ein Ufo mitten in der Uckermark gelandet. Der Bahnhof liegt einige Kilometer entfernt, so dass wir als Erstes einen Busverkehr einrichten müssen.“

Der mehr als zwei Meter große Chef des Filmparks Babelsberg arbeitet seit 13 Jahren in Brandenburg. Er ist in der Lüneburger Heide groß geworden und hat unter anderem in den Bavaria Ateliers als Produktionschef für Fernsehfilme gearbeitet. 1993 übernahm er die Studiotour- Gesellschaft in Babelsberg; ab Februar 2001 leitete er das Krongut Bornstedt in Potsdam. Mit einem Programm aus Unterhaltung, Gastronomie und historischer Handwerkskunst schaffte der 55-jährige Vater von vier Kindern eine bis dahin in einem Unesco-Weltkulturerbe für kaum möglich gehaltene Attraktion. Auf Anhieb lockte er im Eröffnungsjahr 450 000 Neugierige an. Seit März 2003 leitet er wieder den Filmpark Babelsberg, wohin jährlich 400 000 Besucher kommen. „Das ist aber auch der größte Unterschied zum Eldorado“, erklärt Schatz, der sich im Gespräch immer wieder mit der Hand durch seine lange Haarpracht fährt. „Babelsberg ist für den Film ein authentischer Ort, in der Uckermark aber waren nie Cowboys und Indianer zu Hause.“ Deshalb will er die „herrliche Natur“ in sein künftiges Programm einbeziehen. Er denkt an den Bau von Flößen durch die Besucher, Kanufahrten, Ausritte und die Fütterung von Bibern in einer großen Burg.

Rund eine Million Euro will der jetzige Alleineigentümer in den Ausbau der Anlage stecken. Dazu kommen 6,4 Millionen Euro Fördermittel des Landes Brandenburg, die schon die alten Betreiber der Westernstadt beantragt hatten. „Wir haben das Geld aber nicht ausgezahlt, weil uns das Konzept nicht überzeugte und es keine Garantie von Arbeitsplätzen gab“, sagte Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU). Er sei mit den vorgelegten Plänen von Friedhelm Schatz sehr zufrieden. 50 Jobs sind geplant, wobei die alten Beschäftigten zuerst ein Angebot erhalten.

Über den Kaufpreis schwiegen gestern alle Beteiligten. Dieser dürfte jedoch bedeutend unter der Summe von 13 Millionen Euro liegen, die die einstigen Eigentümer vor ihrer Insolvenz in die Westernstadt investiert hatten. Dafür werden die vormaligen Eintrittspreise halbiert. Die Karte für Erwachsene kostet jetzt 8,50 Euro, für Kinder 6,50 Euro. Für Schulklassen und andere Gruppen gibt es Rabatte.

Spätestens ab der übernächsten Saison sollen die Besucher den in zahlreichen Defa-Filmen zum DDR-Chefindianer gekürten Schauspieler Gojko Mitic erleben, der jetzt noch als Winnetou in Bad Segeberg auf der Bühne steht. Auf einer großen Bühne in Templin sollen die alten Streifen wie „Die Söhne der großen Bären“ oder „Chingachgook, die große Schlange“ aus den Sechzigerjahren eine Schauspiel-Renaissance erfahren.

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