Boxen : Schaufenster der Geschichte im Pauli-Kloster

Nach der Sanierung der Außenmauern beginnt in der mittelalterlichen Anlage die Einrichtung des Archäologischen Landesmuseums

Claus-Dieter Steyer

Brandenburg (Havel) - Neue Töne werden jetzt aus der alten Klosteranlage St. Pauli in der Stadt Brandenburg nach draußen dringen. Während sich bisher hier Betonmischer drehten oder Presslufthämmer in altes Gestein vorarbeiteten, bestimmen nun eher sanft vorgetragene Kommandos und leichte Hammerschläge das Geschehen. Sie künden vom Aufbau des Archäologischen Landesmuseums, das Ende 2007 seine Türen öffnen soll. Die äußere Hülle für die Ausstellung ist nun hergerichtet. Mehr als vier Jahre dauerte die Verwandlung einer Ruine in ein beeindruckendes Zeugnis für den Kirchen- und Klosterbau des 13. Jahrhunderts.

Der Umbau der Anlage in der sogenannten Neustadt am Rande des historischen Stadtzentrums kostete rund 14 Millionen Euro. Davon stammte die Hälfte aus dem von der Europäischen Union gespeisten Kommunalen Kulturinvestitionsprogramm des Landes, den Rest stellten Brandenburg direkt und der Bund zur Verfügung. Sanierungschef Karsten Westphal verdeutlicht mit einem einfachen Vergleich die Dimensionen des „großen Kastens“, wie er sagt. „Hier hätten 60 bis 70 Einfamilienhäuser Platz.“ Jetzt werde das Pauli-Kloster selbst ein Museum des Mittelalters, in dem Ausstellungen zur Landesarchäologie einen würdigen Rahmen fänden.

In den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 war das Kloster von Bomben getroffen und weitgehend zerstört worden. Die Ruine wurde zum Abenteuerspielplatz für die Brandenburger Jugend und zum Steinlager. Erst Ende der neunziger Jahre zog wieder Leben in die alten Gemäuer ein: Das Eventtheater der Stadt entdeckte den besonderen Reiz dieses Zeugnisses der Backsteingotik und rief den „Klostersommer“ ins Leben. Schauspiele und Revuen zogen regelmäßig Besucher an. Nach der Museumseröffnung in einem guten Jahr soll es hier auch wieder Theater geben.

Die Archäologen und Denkmalschützer warten schon lange auf eine repräsentative Ausstellungsmöglichkeit für die Fundstücke aus den letzten 130 000 Jahren. 1990 waren die Archäologen aus ihrem jahrelang genutzten Domizil im Schloss Babelsberg ausgezogen. Das Gebäude in Potsdam wird seitdem von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten zu einem Museumsschloss umgebaut.

Im Pauli-Kloster sollen die bei Grabungen und Bauarbeiten gefundenen Zeugnisse vergangener Epochen in Brandenburg sowie Leihgaben aus Berliner Museen gezeigt werden. Dieses „Schaufenster der Geschichte“ dürfte neben dem Dom zur größten touristischen Attraktion der Havelstadt aufsteigen.

Am morgigen 12. Dezember wird der Keller unter dem Ostflügel zum Schauplatz einer besonderen Vorweihnachtsveranstaltung: Ab 19 Uhr gibt es hier eine Führung, festliche Musik, eine Lesung und Überraschungen. Dieses Programm findet im Rahmen der Aktion „Adventskalender“ der Arbeitsgemeinschaft der Städte mit historischen Stadtkernen statt. Auskünfte unter Telefon 0338/158 63 31 und im Internet unter www.ag-historische-stadtkerne.de

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