Boxen : Schläge für den Ränkeschmied

Sven Petke ist einer der mächtigsten Männer der Landes-CDU. Auch deshalb steht er so unter Beschuss

Michael Mara[Thorsten Metzner]

Potsdam - Ein Mann mit schwachen Nerven ist Sven Petke nicht. Als der Internet- Unternehmer Daniel Schoenland vorige Woche den Vorwurf erhob, der Generalsekretär der Brandenburger CDU habe den E-Mail-Verkehr von Ministern und Vorstandsmitgliedern überwachen lassen, reagierte der 38-Jährige, wie man es von ihm gewohnt ist: selbstbewusst, siegessicher, mit einem süffisanten Lächeln – manche sagen abgebrüht: „Ich bin der bestbeobachtete Mensch in Brandenburg. Man hat mir schon vieles unterstellt, auch diesmal wird sich alles als Unfug herausstellen.“ Petke kokettiert gern mit den Schlagzeilen, die er immer wieder produziert.

Gut eine Woche später sieht es eher so aus, als ob sich der Sieggewohnte diesmal geirrt haben könnte. Fast täglich werden neue Vorwürfe bekannt, die ein merkwürdiges Licht auf den Umgang der CDU-Landeszentrale mit persönlichen Mails und Daten werfen. Selbst ihm freundlich gesinnte Christdemokraten können nicht bestreiten, dass der frühere Verfassungsschützer, der im Landtag Vorsitzender des Rechtsausschusses und innenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion ist, bei seiner Verteidigung mit Halbwahrheiten operiert und sich immer wieder in neue Widersprüche verstrickt.

So eng war es noch nie für ihn: Es ist zwar längst nicht das erste Mal, dass sich der Aufsteiger, dessen Karriere als Landeschef der Jungen Union begann, der sich als strammer Law-and-Order-Innenpolitiker profiliert hat, selbst in Bedrängnis bringt. „Schon wieder Petke“ – das ist in der märkischen CDU durchaus ein geflügeltes Wort. Aber bislang schaffte es der gebürtige Gubener noch immer, sich aus brenzligen Situationen herauszuwinden. Etwa, als ihn die für die Kontrolle des Verfassungsschutzes zuständige Parlamentarische Kontrollkommission rügte, weil er offenbar mit Insiderwissen aus der Behörde den Imam einer Moschee in der Landeshauptstadt öffentlich als „Kaplan von Potsdam“ bezeichnet hatte – und eine Operation des Geheimdienstes störte.

Oder, als er eine Strafanzeige des Bernauer Amtsrichters Andreas Müller, dem er nach einem Urteil zur Legalisierung von Cannabis Rechtsbeugung vorgeworfen hatte, nur durch Zahlung einer Buße von 600 Euro für soziale Zwecke aus der Welt schaffen konnte. Selbst der Rechtsausschuss missbilligte schon einmal – ziemlich ungewöhnlich – das Verhalten seines eigenen Vorsitzenden: Petke hatte die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) angegriffen, weil sie Untreue-Ermittlungen an der Viadrina-Universität eingestellt hatte.

Sven Petke polarisiert – so wie niemand sonst in der Brandenburger Politik. Und er versteht es wie kein anderer, sich in Szene zu setzen: In der eher biederen Union gibt es nur wenige, die so scharfzüngig formulieren, so gewandt mit Medien umgehen können, die öffentlich so präsent sind wie dieser ausgebuffte Typ, der trotz seiner Jugend das Ränkespiel der Politik perfekt beherrscht, der Netzwerke knüpft, Abhängigkeiten schafft. Dem man nicht ohne Grund nachsagt, der bestinformierte Mann in der Landespartei zu sein. Aber auch einer, der seine Meinungen blitzschnell ändern kann, wenn es ihm opportun erscheint, wenn er sich davon einen Vorteil verspricht, wenn es um seinen Einfluss geht. Ein Beispiel: Für Petke ist der Daniel Schoenland, der bis letzte Woche die Internet-Seite der CDU betreute, jetzt ein „Krimineller“ – bis zu dessen Vorwürfen hatte Petke ihn auch als persönlichen Mitarbeiter im Landtag beschäftigt.

Für die Brandenburger Union ist Petke aber weniger wegen der regelmäßigen Schlagzeilen ein Problem geworden, und auch nicht erst jetzt: Er polarisiere nicht nur nach außen, halten ihm seine innerparteilichen Gegner vor, sondern viel stärker nach innen – er habe die Partei gespalten.

Zwar hat er es offenbar geschafft, seine Stellung in der Partei in den letzten Monaten auszubauen. Man rechnet dem „Petke-Lager“ inzwischen eine knappe Mehrheit im Vorstand und bei den Kreischefs zu. Er – nicht Schönbohm oder dessen Wunsch-Nachfolger Ulrich Junghanns – leitete überraschend einen Kurswechsel hin zu einem stärkeren sozialen Profil der märkischen Union ein.

Doch der Preis ist hoch: „Die Gräben in der Partei sind so tief und die Fronten so verhärtet wie nie“, urteilt ein Mitglied der engeren Führungsspitze. Ein anderer prominenter Christdemokrat warnt: Petke „atomisiert“ die Partei. „Wenn er bleibt, gibt es irgendwann den großen Showdown.“ Aber bislang will Schönbohm den Mann nicht fallen lassen, den er in den letzten Jahren gefördert hat, der eine gewisse Narrenfreiheit hatte. Warum? Darüber rätseln viele. Manche vermuten: Aus Sorge, dass eine Entlassung Petkes, des umstrittenen Ziehsohnes, Schönbohms eigenen Abgang beschleunigen könnte.

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