Schloss Branitz : Schlafzimmer des Fürsten Pückler wieder zu besichtigen

Ein Traum in Rot: In Schloss Branitz ist das Schlafzimmer des Fürsten Pückler wieder zu sehen. Weitere Räume werden im Oktober geöffnet.

Britta Beyer (ddp)
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Edle Schlafstatt. Das Bett des Fürsten Pückler ist der Blickfang in den jetzt wieder zugänglichen, frisch restaurierten Räumen des...Foto: Rainer Weisflog

Cottbus - Fürst Hermann von Pückler-Muskau (1785–1871) wusste zu leben – und zu schlafen. Die mit 70 Kilo Palmfasern gefüllte Matratze in seinem Bett im Cottbuser Schloss Branitz sowie ein sogenannter Doppelsitzer, auf dem sich der Gartenarchitekt, Weltenbummler und Literat im Winter wärmte, sind mit edlem, hochroten Stoff aus Ponceau überzogen. Das historische Fürsten-Bett ist sicherlich der Blickfang in der aufwendig restaurierten Schlafstube, die jetzt gemeinsam mit dem Waschzimmer wieder für das Publikum geöffnet ist.

Bei der Farbbestimmung des Stoffes hatten die Restauratoren jedoch Probleme. Unter den Fensterläden im Fürstengemach seien lediglich ein paar winzige Spuren der ursprünglichen Farbe gefunden worden, in der Bett und Doppelsitzer seinerzeit gehalten waren. „Diese Spur führte in das Potsdamer Schloss Sanssouci, wo Friedrich II., der Alte Fritz, die beliebte Spätbiedermeier-Farbe für sein Interieur im Arbeits- und Schlafzimmer verwendet hatte“, sagt Anne Schäfer, die Kustorin der Branitzer Stiftung. Das original erhaltene Bett habe Pückler in seinen letzten Lebensjahren genutzt. Er starb auf Schloss Branitz am 4. Februar 1871 im Alter von 85 Jahren.

Schloss Branitz, dessen Park als letzter großer Landschaftsgarten des 19. Jahrhunderts in Deutschland gilt, hatte Pückler nach 1845 bezogen, als er seinen bisherigen Sitz in Bad Muskau verkaufen musste, da ihn die Arbeiten an dem dortigen Park finanziell ruinierten. Aber auch in Branitz wurde er sofort landschaftsgärtnerisch aktiv. Für den kunstvollen Park legte Pückler unter anderem ein künstliches Gewässersystem und mehrere Hügel an. Er schuf einen großen Blumenpark mit fremdländischen Gehölzen, Beeten und Plastiken sowie eine Ebene mit zwei Pyramiden. Der Tumulus, die Seepyramide, ist Pücklers letzte Ruhestätte. Seit der Wende dann wurde mit der umfassenden Sanierung von Schloss und Park begonnen.

Neben dem Bett zieren jetzt auch wieder weitere Originalstücke das fürstliche Schlafgemach: das Gemälde „Die schöne Melusine“ und das Relief „Zwei sich liebende Mädchen“. Die Bild der Melusine, einer mythischen Sagengestalt des Mittelalters, hing früher so, dass Pückler sie beim Gang durch die Bibliothek ins benachbarte Schlafzimmer und auch von seinem Bett aus immer im Blick hatte. An dieser Stelle hängt das Bild auch heute. Ein alter Wäscheschrank und eine französische Bronze-Uhr über dem Kamin seien der Zeit um 1860 nachempfunden worden, sagt Schäfer.

Interessant ist auch der Nachttisch. „Hier liegt das vielleicht wertvollste Schriftstück aus der Zeit des Fürsten – sein Tagebuch“, sagt die Kustorin. Aufgeschlagen für die Besucher ist die letzte Eintragung – vermutlich geschrieben vom Hofmarschall – kurz vor dem Tod Pücklers: „Kunst ist das Höchste und Edelste im Leben, denn es ist Schaffen zum Nutzen der Menschheit.“ Mit wackliger Schrift soll der Fürst und Landschaftsarchitekt noch hinzugefügt haben: „Nach Kräften habe ich das mein langes Leben hindurch im Reiche der Natur geübt.“

Vergleichsweise eher spartanisch bietet sich dem Betrachter das ehemalige Waschzimmer des Fürsten. „Eine Badestube war es nicht“, sagt Schäfer. Fast alle Möbel stammen zwar aus dem Besitz der Familie, aber Pückler habe nie den Wasserkrug benutzt oder sich Hände und Gesicht in der jetzt aufgestellten Waschschüssel gewaschen. „Für die großen Bäder hatte der Fürst im Keller mehrere Badewannen und im Erdgeschoss ein russisches Dampfbad“, sagt Schäfer. Über eine heute nicht mehr existierende Wendeltreppe gelangte Pückler nach oben in die türkischen Zimmer. Auch in die vor längerer Zeit restaurierte und zur Besichtigung freigegebene Bibliothek sowie das Billardzimmer kam der Fürst über diesen Weg. Anlässlich des 225. Geburtstags Pücklers am 30. Oktober 2010 sollen die drei sogenannten Lucie-Zimmer seiner Ehefrau Lucie von Hardenberg in dem Schloss am Rande von Cottbus ebenfalls wieder für die Besucher geöffnet werden. Britta Beyer (ddp)

Infos gibt es unter

pueckler-museum.de

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