Boxen : Schmökel gefasst: Festnahme außerhalb des Sperrkreises bei Bautzen

Claus-Dieter Steyer

Der am 25. Oktober entflohene Schwerverbrecher Frank Schmökel ist am Dienstagnachmittag in der Nähe des Dorfes Saritsch bei Bautzen in Sachsen von der Polizei gestellt und festgenommen worden. Er war einer Streife unweit der Bundessstraße 96 aufgefallen. Schmökel habe unter einer Brücke gekauert und dort vor Regen Schutz gesucht, hieß es von der Polizei in Frankfurt (Oder). Zwei Streifenpolizisten nahmen den 38-Jährigen bei der Überprüfung einer Gartenlaube in Saritsch (Landkreis Bautzen) fest. Ein Nachbar hatte der Polizei den entscheidenden Hinweis gegeben. Nach Augenzeugenberichten soll Schmökel mit einem Messer bewaffnet gewesen sein. Da er das Messer nicht ablegen wollte, habe ein Autobahnpolizist auf ihn geschossen.

Unmittelbar nach der Festnahme wurde Schmökel ärztlich versorgt, später sollte er nach Frankfurt (Oder) überstellt werden. Schmökel ist nach Angaben des Landeskriminalamtes Sachsen bei der Festnahme durch einen Bauchschuss verletzt worden. Ein nach der Festnahme sofort verständigter Notrettungswagen versorgte den Schwerverbrecher. Er befindet sich nicht in Lebensgefahr, soll aber schwer verletzt und operiert worden sein.

Nach ersten Angaben war Schmökel allein unterwegs. Die Herkunft des Messers war nicht bekannt. Einzelheiten wollte der sächsische Innenminister am Abend auf einer Pressekonferenz mitteilen. Der Ort der um 14.52 Uhr erfolgten Festnahme befindet sich außerhalb des von der Polizei seit dem vergangenen Sonnabend um die Ortschaft Großdubrau gezogenen Sperrkreises. "Wir konzentrierten unsere Kräfte nicht allein auf das Waldgebiet bei Großdubrau", sagte Polizeisprecher Peter Bergmann. "Unsere Taktik ist aufgegangen." Allein am Dienstag waren mehr als 500 Beamte in dem Gebiet bei Großdubrau im Einsatz. Das Gebiet liegt etwa 30 Kilometer südlich der Landesgrenze zwischen Sachsen und Brandenburg.

Wie der Führungsstab des Frankfurter Polizeipräsidiums mitteilte, wurde Schmökel anhand von Tätowierungen eindeutig als der gesuchte Täter identifiziert. Schmökel, der in den vergangenen Tagen mehrfach seine Haarfarbe verändert hatte, gab sich als der gesuchte Mann zu erkennen.

Das Netz der Polizei wurde seit dem Wochenende immer dichter um Schmökel gezogen. Heute morgen unterstützten 50 Spürhunde aus dem gesamten Bundesgebiet die rund 550 um Großdubrau eingesetzten Polizisten. Sie sollten Spuren vom entdeckten Schlaflager, einer frischen Feuerstelle sowie von einem Einbruch in einen Campingplatzkiosk aufnehmen. Offensichtlich spürte Schmökel den wachsenden Druck, so dass er sein Versteck am Dienstag verließ. Gegen 15 Uhr wurde er durch die Polizeistreife entdeckt.

Vor allem in und um Großdubrau atmeten die Einwohner nach der Meldung von der Festnahme auf. Seit Tagen lebten sie in Angst vor dem unzurechnungsfähigen Gewaltverbrecher. "Jetzt können wir endlich wieder ruhig schlafen", hieß es überall. Mätthaus Papst (CDU), Bürgermister der Gemeinde Saritsch, in der Schmökel festgenommen wurde, sagte: "Alle freuen sich, dass dieser Mann gefasst ist. Wir hoffen, das deutsche Gesetze in Zukunft dafür sorgen, das Ausgang und Freigang von Verbrechern nicht zur Gefahr besonders für Kinder werden können".

Offensichtlich hatte sich Schmökel seit dem Wochenende in dem an Großdubrau grenzenden Erholungsgebiet "Blaue Adria" aufgehalten. Hier befindet sich ein unterirdisches Labyrinth aus Stollen, Schächten, Abwasserrohren und Gruben. Es gehörte zu einer Prozellanfabrik, Karolingruben und aufgelassenen Braunkohlebergwerken. Selbst Hubschrauber mit Wärmebildkameras, die tagelang über dem Gebiet kreisten, entdeckten keine Spur von Schmökel. "Wenn der sich in einem unteririschen Schacht versteckte und sich im entscheidenden Moment des Überfluges nicht bewegte, war auf den Kameras keine Person auszumachen", erklärte Polizeisprecher Bergmann die vergebliche Suche. Deshalb sollten gestern Hunde "Gegenstände aller Art" aufspüren, um weitere heiße Spuren zu verfolgen.

Aus Justizkreisen in Brandenburg hieß es, Schmökel werde nicht zurück in den Maßregelvollzug kommen. Unterdessen setzte die Staatsanwaltschaft in Neuruppin ihre Vorermittlungen in dem Fall fort. Sie prüfe weiter, ob die so genannten Lockerungsgenehmigungen der Ärzte für den in der Nervenklinik Neuruppin lebenden Triebtäter korrekt waren, sagte Sprecher Carlo Weber.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben