Boxen : Schneller ans Meer

Claus-Dieter Steyer

Ab heute Nachmittag dürfte es leer werden in Prenzlau: Kein Brummi- oder Pkw-Fahrer muss sich mehr auf dem Weg zur oder von der Ostsee durch die Kreisstadt quälen, weil dann der rund 27 Kilometer lange Brandenburger Abschnitt der neuen Autobahn A 20 Lübeck-Stettin (Szczecin) eröffnet wird. Um ungefähr eine Stunde wird sich die Reisezeit zwischen Berlin und Usedom beziehungsweise Rügen verkürzen. Wichtig wird das auf wohl erst im Sommer, wenn die Blechlawine freitags nach Norden und sonntags nach Süden am bisherigen Nadelöhr Prenzlau im weiten Bogen vorbeifährt. Im Zentrum treffen hier zwei Bundesstraßen aufeinander.

Vorerst rollt es vom neuen Autobahndreieck Uckermark, das sich hinter der Ausfahrt Gramzow/Prenzlau befindet, bis kurz hinter die Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern auf neuen Fahrbahnen. Pasewalk-Nord heißt die letzte Ausfahrt der 285 Millionen Mark teuren Strecke. Ende nächsten Jahres soll der Abschnitt bis Neubrandenburg-Nord freigegeben werden. Bis 2005 dauert noch der Lückenschluss bis Rostock. Schon fertig sind auf dem westlichen Abschnitt die 92 Kilometer von Schönberg in Nordwestmecklenburg bis zur Landeshauptstadt. Die gesamte Ostseeautobahn zwischen Lübeck und dem Kreuz Uckermark, wo sie auf die A 11 Berlin-Stettin trifft, misst 323 Kilometer.

Allerdings gibt es nach wie vor erheblichen Widerstand von Umweltschützern in Schleswig-Holstein, die den seltenen Vogel Wachtelkönig vor dem Aussterben retten wollen. Auch auf dem Brandenburger Abschnitt verlief in den vergangenen Jahren nicht alles planmäßig. Die Eröffnungsfeier war mindestens sieben Wochen früher geplant. Der Verzug liege aber allein an wirtschaftlichen Problemen, sagt ein Mitarbeiter der Planungsgesellschaft Deges . Gleich zwei große Baufirmen aus Neubrandenburg und Berlin hatten Insolvenz beantragen müssen. Von einem Tag auf den anderen räumten sie ihre Baustellen.

In Prenzlau erhofft man sich von der neuen Autobahn nicht nur Verkehrsentlastung sondern auch eine Stärkung der Wirtschaft - wegen der schnellen Verbindung ins polnische Stettin. Gegen dieses Argument kamen Umweltschützer von vornherein schwer an, zumal die ganze Region im Nordosten Brandenburgs unter starker Abwanderung junger Menschen leidet. Rücksicht auf Flora und Faune wurde dennoch genommen. Drei Millionen Mark kostete etwa eine Brücke, die dem Wild ein ungefährliches Überqueren der Autobahn ermöglichen soll.

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