Boxen : Schneller Prozess

Schwerverbrecher Schmökel wird am Mittwoch verurteilt – seine Verteidiger loben das faire Verfahren

Claus-Dieter Steyer

Neuruppin. In einem der spektakulärsten Prozesse in Brandenburg fällt an diesem Mittwoch das mit Spannung erwartete Urteil. Um 11 Uhr will die Vorsitzende Richterin Jutta Hecht im Landgericht Neuruppin nach sechswöchiger Verhandlung ihre Entscheidung über das Schicksal des Gewaltverbrechers Frank Schmökel verkünden.

Die Staatsanwaltschaft fordert für den 40-Jährigen lebenslang mit anschließender Sicherungsverwahrung. Sie wirft ihm Mord, Mordversuch sowie zweifachen versuchten Totschlag vor. Auch die Nebenkläger, die Witwe des von Schmökel erschlagenen Rentners und der durch Messerstiche verletzte Pfleger, wollen den Angeklagten für immer hinter Gitter sehen. Die Verteidiger dagegen sehen ihren Mandanten als psychisch krank an und verlangen eine 13-jährige Haftstrafe, die er in einer Klinik absitzen soll. Schmökel selbst nannte eine lebenslange Unterbringung im Gefängnis ein „Todesurteil“. Er werde dort nicht therapiert, beklagte er.

Wegen der Fluchtgefahr durfte Schmökel seine Fußfesseln nie ablegen. Zu den Terminen wurde er von maskierten Beamte in den Gerichtssaal gebracht. Seit Prozessauftakt am 28. Oktober war er aber mehr und mehr aufgetaut. Anfangs versteckte er sich hinter dunkler Brille und Kapuze. Zuletzt sprach er sogar in eine TV-Kamera. Man solle nicht nur die schlechten Seiten eines Menschen sehen, sondern auch die guten, sagte er da.

Da Schmökel selbst die Taten gestanden hatte, stand immer die Frage der Schuldfähigkeit im Mittelpunkt. Verteidigung und Staatsanwaltschaft verzichteten darauf, sich mit Anträgen zu bombardieren, und somit das Verfahren zu verzögern. Diese zügige und von der Verteidigung als fair gelobte Prozessführung ermöglichte das schnelle Urteil. Entscheidend ist nun, ob das Gericht der Ansicht des von ihm bestellten Sachverständigen Professor Norbert Konrad folgt. Der bescheinigte Schmökel eine „dissoziale Persönlichkeitsstörung“ mit gestörter Sexualpräferenz. Diese äußere sich in einem Drang nach jungen Mädchen. Dennoch sei er für die ihm vorgeworfenen Taten voll schuldfähig, sagte Professor Konrad. Nur wenn Schmökels Aussage stimmt (er hat behauptet, im Garten des Rentners ein Mädchen gesehen zu haben, dass er missbrauchen wollte; stattdessen traf er auf den Rennter und schlug zu), gebe es eine gewisse Störung der Steuerungsfähigkeit. Darauf bauten die Verteidiger ihre Strategie auf. Schmökel habe seiner perversen Neigung folgen müssen – und sei deshalb nur begrenzt schuldfähig.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben