Boxen : Schnüffeln in der Mark

Die neue Polizeiruf-Kommissarin Imogen Kogge dreht zum zweiten Mal in Brandenburg

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Von Tanja Buntrock

Fresdorf. In Fresdorf knallt die Sonne auf die Holzbänke. In den Plastikflaschen verwandelt sich die Cola zu einer warmen Brühe. Am Set ist gleich Mittagspause, und „Frau Kogge sitzt noch im Hänger“, wie eine Aufnahmeleiterin ruft.

Imogen Kogge, Darstellerin der neuen Polizeiruf 110-Kommissarin Johanna Herz, tritt vor ihren „Hänger“ – einen Wohnwagen, der ganz allein für sie reserviert ist, – und lächelt aus einem ungeschminkten Gesicht. Die rotblonden Haare trägt sie hochgesteckt, dazu eine Jeans mit weißer Bluse. So ähnlich kennen die Zuschauer „die Neue“, seit sie am 21. Juli in „Braut in Schwarz“ zum ersten Mal für die Krimireihe im Auftrag des Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB) ermittelt hat: Unkompliziert und bodenständig.

Kogge hat ihre Vorgängerin, die Schauspielerin Jutta Hoffmann, abgelöst, die sich gewünscht hat, in der vierten Folge zu sterben. Nun also spürt Imogen Kogge, bekannt als Theaterschauspielerin an der Schaubühne, den Kriminellen nach, die im Märkischen ihr Unwesen treiben. Derzeit wird bis Mitte September unter dem Arbeitstitel „Die Schlacht“ im kleinen Dörfchen Fresdorf sowie in Großbeeren und in der Umgebung von Potsdam gedreht.

Imogen Kogge, gebürtige West-Berlinerin, die in Wannsee wohnt, genießt es, durch die Dreharbeiten immer wieder ein neues Fleckchen in Brandenburg zu entdecken. „Wie fast alle West-Berliner hatte auch ich nach der Maueröffnung Nachholbedarf“, sagt sie. Aber die viele Arbeit und die Familie ließen ihr nicht die Zeit, „jedes Dorf, jede Kirche zu erkunden“. Fresdorf kannte sie bislang gar nicht. Auch durch Wildenbruch, wo der letzte „Polizeiruf“ gedreht wurde, war sie bis zum Drehbeginn „nur mal durchgefahren“.

Der Bekanntheitsgrad umgekehrt ist auch nicht höher: Bislang hat noch keiner der Nachbarn, die rund um das für die Dreharbeiten gemietete Haus wohnen, Imogen Kogge um ein Autogramm gebeten. „Da müsste wohl jemand wie Manfred Krug hier aufkreuzen“, sagt sie und lacht. Überhaupt seien die Dörfler hier sehr „hart im Nehmen“. Ab und zu gäbe es mal ein bisschen Ärger, wenn die ganzen Technikwagen die Einfahrten zustellten, aber sonst würden die Schauspieler und das Team in Ruhe gelassen. Es käme schon mal vor, dass – wie neulich – eine ältere Frau vorbeikomme, die sich dann unter den Baum in der Nähe setzt und zuschaut. „Mehr passiert aber in der Regel nicht“, sagt Frau Kogge. Auch hätten sich die Eigentümer des Hauses, in dem die Innenaufnahmen gemacht werden, noch nicht gezeigt, was die Darstellerin freut. „Es gibt ja auch die Sorte Penetranter, Neugieriger, die dann stundenlang auf engstem Raum dabei sein wollen und Unruhe hineinbringen.“

Penetrant und neugierig wirken Dietmar Kieler und seine Frau Elisabeth denn auch nicht. Sie fahren mit ihrem Auto vor der „Wein-Schmiede“ vor, steigen aus und gucken zunächst nur. In der „Wein-Schmiede“ wird die Kommissarin später den Täter überführen. In Wirklichkeit ist das backsteinerne Häuschen das Weinlokal der Kielers. Für die Dreharbeiten unter der Woche haben sie es zur Verfügung gestellt, da sie nur am Wochenende die Fresdorfer, Wildenbrucher „und auch ganz viele Süd-Berliner“ mit Pfälzer Weinen bewirten. Herr Kieler hat das Haus nach der Wende gekauft, eigentlich „als Räuberhöhle, Bastelhütte“. Doch dann kam die Denkmalpflege mit Restaurierungsauflagen. Und so kam Herrn Kieler, mittlerweile Rentner, „die Idee mit dem Weinlokal“.

Frau Kieler ist sehr gespannt, wie viel Minuten ihr Lokal im „Polizeiruf“, der im Februar 2003 ausgestrahlt werden soll, zu sehen ist. „Meist drehen die ja viel zu viel, am Ende kommt ganz wenig bei raus“, weiß sie. Ihr Mann erinnert sich, Imogen Kogge schon vor einiger Zeit mal in seinem Lokal gesichtet zu haben. Das glaubt Frau Kieler nicht, sie kennt die Schauspielerin nur aus deren Schaubühnen-Zeit. Ob sie nun wirklich da war oder nicht, ist den Kielers letztlich egal. Was zählt ist, dass Frau Kogge hier reingepasst hat, ins Dorf. Ganz so, wie es das Drehbuch will.

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