• Schönbohm beklagt die Mauer des Schweigens Viele wussten von der Terror-Kameradschaft

Boxen : Schönbohm beklagt die Mauer des Schweigens Viele wussten von der Terror-Kameradschaft

im Havelland. Aber niemand ging zur Polizei

Thorsten Metzner

Im ersten Brandenburger Terrorprozess gegen die rechtsextreme Kameradschaft „Freikorps“ wird voraussichtlich Anfang März das Urteil verkündet: Die von einem Gymnasiasten angeführten zwölf jungen Leute sollen vom Juni 2003 bis Mai 2004 im Havelland neun Brandanschläge auf Asia-Imbiss- und Dönerbuden verübt haben. Hinweise aus der Bevölkerung an die Polizei gab es keine, obwohl viele von der braunen Clique wussten. Das ergaben jetzt Befragungen, die das Innenministerium im Umfeld der Angeklagten veranlasste. Die Ergebnisse sind so erschütternd, dass Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) von einem „vollständigen Versagen der Sozialkontrolle“ spricht. „Keiner der befragten Personen ist zur Polizei gegangen.“ Für ihn sei der Fall „exemplarisch“, dass im Land bei Ausländerfeindlichkeit „zu viel weggeguckt wird“. Der Tagesspiegel dokumentiert nachfolgend einige Aussagen befragter Personen aus dem Umfeld der Kameradschaft.

Ein ehemaliger Mitschüler. Er „äußerte im Rahmen seiner Vernehmung, dass der Haupttatverdächtige bereits im Juni/Juli 2003 ihm gegenüber davon sprach, Imbissstände von Ausländern anzugreifen“. Er wurde durch den Haupttatverdächtigen aufgefordert, dass er „mitmachen“ soll, was er jedoch ablehnte. Im September 2003 erzählte ihm der Haupttatverdächtige, dass er den „Döner bei Norma in Nauen abgefackelt“ hätte. Auch zeigte ihm dieser im März 2004 eine Liste mit Asia- und Dönerimbissbuden und erzählte ihm, dass er vorhätte, 20 dieser Objekte gleichzeitig „abzufackeln“.

Eine Lehrerin. Sie gab an, dass der Hauptverdächtige ihr gegenüber geäußert habe, dass es „früher keine Probleme mit Schwulen und Lesben“ gegeben hätte. Auch sei er „zur Abiturabschlussfeier mit Springerstiefeln, schwarzen Hosen, schwarz-rot-goldenen Hosenträgern und Bomberjacke erschienen“. Nach ihren Angaben „wussten die Mitschüler . . . von dessen politischer Einstellung“.

Ein ehemaliger Freund. Er äußerte, dass der Haupttatverdächtige eine rechtsextreme Meinung („kranke Meinung“) hätte und ein „Judenhasser“ sei. Er gab an, dass dieser „eine Untergrundorganisation gründen wollte, um gegen Juden und Ausländer vorzugehen“. Dieser hätte „sich auch gegenüber anderen mit der Durchführung von Brandanschlägen gebrüstet“.

Eine Kommunalpolitikerin. Sie äußerte, „dass die Einwohner von . . . Angst vor dem Haupttatverdächtigen und seinen Freunden hätten“. Der Haupttatverdächtige und „seine Leute“ hätten in der Vergangenheit Märsche zur Kiesgrube . . . gemacht.

Eine andere Lehrerin . Sie gab an, „dass es allgemein bekannt gewesen sei, wer die Imbissstände angezündet hätte“.

Ein Bürgermeister . Er äußerte, dass er zufällig ein Gespräch mitgehört hätte, in dem es darum ging, dass der Haupttatverdächtige an den Brandstiftungen beteiligt gewesen sei.

Ein Bürger . Er gab an, dass ihm bekannt sei, dass der Haupttatverdächtige rechtsradikale und ausländerfeindliche Ansichten vertritt. Eine ehemalige Lehrerin habe ihm erzählt, „dass sie den Haupttatverdächtigen mit Freunden in Uniform bei militärischen Spielen im Wald angetroffen hätte“.

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