Boxen : Schon Schinkel hatte gewarnt

Das Junkerhaus des Frankfurter Viadrina-Museums war für Restauratoren ein schwerer Fall. Nun wird es nach 15 Jahren Bauzeit wiedereröffnet

Andreas Conrad

Frankfurt (Oder). Majestät zeigten sich ausgesprochen großzügig. Seit anderthalb Jahrhunderten war das so genannte Junkerhaus in Frankfurt in erst kurfürstlichem, dann königlichem Besitz gewesen. Was auch immer Friedrich II. dazu bewegt haben mag – um 1748 gab er dieses angestammte Erbe preis und schenkte das Gebäude der Stadt. Nur eines bedingte er sich aus: Die Stadt möge zwischen Junker- und Forststraße einen Packhof errichten. Dies aber versäumten die Stadtväter, was Friedrich verständlicherweise ergrimmte, und so nahm er die großzügige Schenkung wieder zurück.

Aber solche historischen Reminiszenzen standen gestern wohl kaum im Mittelpunkt der Feier, mit der das Barockhaus in der C.-Ph.-E.-Bach-Straße nach 15-jähriger Sanierung wiedereröffnet wurde. Eher ging es um Schinkels mahnende Worte von 1832, der schon damals darauf hingewiesen hatte, der direkt am Oderufer gelegene Bau sei nur unzureichend verankert, stehe auf wackeligen Füßen. Das hatte sich bei der Schließung des Hauses 1986 nicht länger verheimlichen lassen, war es doch schon wiederholt abgesackt und nun vom Einsturz bedroht.

Am kommenden Wochenende feiert Frankfurt seine 750-Jahr-Feier, und eigentlich sollte zu diesem Jubiläum auch das Junkerhaus, Hauptsitz des Viadrina-Museums und künftige Ausstellungsstätte zur Regional- und Stadtgeschichte, wieder dem Publikum zugänglich sein. Wegen des Todes eines Gestalters und der Insolvenz des beauftragten Vitrinenherstellers war dieser Termin jedoch nicht einzuhalten, so dass gestern nur ein zwar aufwändig restauriertes, doch weitgehend leeres Gebäude gezeigt werden konnte. Bis zum 13. Juli kann es jetzt bei freiem Eintritt besichtigt werden, dann schließt es wieder für den Aufbau der Dauerausstellung, die ab 4. Oktober zu sehen ist.

„Wir wussten von den schwierigen Gründungsproblemen des Hauses auf sumpfigem Boden, erlebten während der Restaurierung dennoch immer wieder Überraschungen“, sagte Brandenburgs Landeskonservator Detlef Karg gegenüber der Agentur ddp. Jetzt steht das Haus auf Dutzenden von Betonpfählen. Rund 6,2 Millionen Euro von Bund und Land flossen seit 1991 in die Sanierung, „die Kommune selbst war nicht in der Lage, diese Gelder aufzubringen“, sagte Karg.

Für das Viadrina-Museum ist das Junkerhaus „sozusagen das Frankfurter ,Stadtschloss’“. Seine Geschichte ist bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts zurückzuverfolgen. 1598 erwarb Kurfürst Joachim Friedrich das Haus, das danach als Wohnsitz für die in Frankfurt studierenden kurfürstlichen Prinzen sowie Verwandte und Angehörige befreundeter Fürstenhäuser diente. Damals wurden auch die Namen Junges Herrenhaus und Junkerhaus üblich.

Ihm stand noch eine wechselhafte Geschichte bevor: starke Beschädigungen im Dreißigjährigen Krieg, der Ärger nach der Schenkung durch Friedrich II., Sitz des General-Akzise-Amtes, Garnisonsverwaltung, Reichsfinanzverwaltung, Seuchenlazarett, Wachhaus der DDR-Grenztruppen. 1957 bezieht das Museum Viadrina erste Räume, zwei Jahre später gibt es die erste Ausstellung. 1986 wird das Gebäude von der Bauaufsicht geschlossen.

Im restaurierten Haus stehen nun fast 1200 Quadratmeter Ausstellungsfläche, verteilt auf 17 Räume, zur Verfügung. 14 Räume sind mit prächtigen, puttenverzierten Stuckdecken versehen, die im 17. Jahrhundert von italienischen Meistern gefertigt wurden. Die Restauratoren mussten hier besonders vorsichtig vorgehen, die Stuckarbeiten drohten abzufallen. Neben der Dauerausstellung soll es auch wechselnde Projekte geben. Das ist dringend notwendig: Für die 70 000 Gegenstände im Fundus des Museums ist selbst das Junkerhaus zu klein.

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