Boxen : Schon wieder tödlicher Lkw-Unfall auf der A2

Autobahnpolizei-Chef fordert Überholverbot für Lastwagen auch auf sechsspurigen Autobahnen

Sandra Dassler

Wollin/Potsdam. Die Serie schwerer Unfälle mit Lastwagen auf der A2 Berlin-Hannover reißt nicht ab. Nachdem am Mittwoch ein Lkw in einen zweiten gerast war (der Tagesspiegel berichtete), ist am Donnerstagmorgen nur wenige Kilometer entfernt ein 51-jähriger Mann aus Berlin getötet worden. Ein polnischer 12-Tonnen-Laster fuhr nach Polizeiangaben bei Wollin (Potsdam-Mittelmark) auf den Pickup-Jeep des Mannes auf.

Das Fahrzeug geriet von der Fahrbahn ab und kam erst am Fuße einer zehn Meter hohen Böschung zum Stehen. Dabei wurde der Berliner eingeklemmt und starb noch am Unfallort. Der 41-jährige Lkw-Fahrer und sein Beifahrer blieben unverletzt und wurden zum Unfallhergang von der Polizei in Brandenburg (Havel) vernommen. Zur Ursache des Unfalls wollte die Polizei am gestrigen Abend noch keine Auskünfte geben. Ein Polizeisprecher sagte, beide Unfallfahrzeuge seien sichergestellt worden. Die Kriminalpolizei des Schutzbereichs habe die Ermittlungen zum Unfallhergang übernommen.

Angesichts des neuerlichen schweren Unfalls forderte der Direktor der brandenburgischen Autobahnpolizei, Udo Antonicek, gestern, über ein Überholverbot für Lkw auch auf sechsspurigen Autobahnen nachzudenken. Auf Tagesspiegel-Nachfrage sagte Antonicek: „Das ist meine persönliche Auffassung, die nicht mit dem Bundesverkehrsminister abgestimmt ist. Aber ich stelle immer wieder fest, dass auf sechsspurigen Autobahnen ohne Geschwindigkeitsbegrenzung zwei Lkw nebeneinander fahren und auf dem linken Fahrstreifen von einem Pkw mit relativ mäßiger Geschwindigkeit überholt werden. Wenn dann von hinten ein Pkw mit sehr viel höherer Geschwindigkeit heranrast, kommt es oft zu gefährlichen Situationen. Ich will keine Lanze für die Raser brechen. Aber bevor man über eine Geschwindigkeitsbegrenzung für alle nachdenkt, ist es vielleicht besser, den Lastkraftwagen das Überholen auch auf sechsspurigen Autobahnen zu verbieten.“

Der Direktor des brandenburgischen Autobahnamtes, Hans-Reinhard Reuter, warnte hingegen vor „Schnellschüssen“. Dem Tagesspiegel sagte er: „Generell ist alles zu begrüßen, was die Aktivitäten einzelner Lkw-Fahrer zügelt, die mit ihren Elefantenrennen Pkw-Fahrer und -Insassen in Gefahr bringen. Das betrifft aber vor allem die vierspurigen Autobahnen, auf denen wir ja schon einige Überholverbote für Lkw verhängt haben. Noch mehr Verbote wären nur dann effektiv, wenn die Polizei auch die Kapazitäten hätte, um ihre Einhaltung zu kontrollieren. Das erscheint mir momentan nicht der Fall.“

Reuter sagte außerdem, man müsse abwarten, was die Ursache dieses neuerlichen Lkw-Unfalls auf der A2 war: „Oft genug handelt es sich bei solchen tragischen Vorfällen um menschliches Versagen. Und dagegen helfen alle Verbote nichts.“

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