Boxen : Schulstart mit 21 000 Zuckertüten

Zum Ende der großen Ferien gibt es in Brandenburg einige Reformen – und 44 Schulschließungen

Susanne Vieth-Entus

Brandenburg ging gestern wieder mit gutem Beispiel voran: Während Berlins Erstklässler noch eine ganze Woche nach Schulbeginn zu Hause herumsitzen müssen, konnten im Nachbarland schon alle 21 000 Schulanfänger ihre Zuckertüten auspacken: Sie eroberten die frisch geputzten und teilweise renovierten Schulen, setzten sich schon mal an ihre neuen Tische und ließen sich zeigen, wo sie künftig turnen oder Mittag essen werden.

44 Brandenburger Schulen erlebten diesen Neubeginn nicht mehr:Wegen des anhaltenden Geburtenrückgangs wurden sie vor den Ferien geschlossen, wie Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) jetzt bekannt gab. Allerdings steht diesem Schulsterben in den entlegeneren Regionen nach wie vor ein Schülerboom im Berliner Umland gegenüber. Hier haben die Zuzüge nach der Wende inzwischen dazu geführt, dass manche der kleinen Dorfschulen aus allen Nähten platzen.

Beispiel Großziethen: Der kleine Ort zwischen Schönefeld und Lichtenrade ist derart angewachsen, dass gestern über 100 Erstklässler in der dortigen Paul- Maar-Grundschule eingeschult wurden. Der erste Anbau aus der Mitte der 90er Jahre reicht nicht mehr aus, weshalb jetzt ein großer Neubau hinzukam. Zum Vergleich: Im Wendejahr 1989 gab es nur rund 15 Erstklässler in Großziethen.

Insgesamt genügt der Schülerboom im Umland aber nicht, um den demografischen Niedergang in den anderen Regionen zu kompensieren. Deshalb sinkt die Schülerzahl in Brandenburg in diesem Schuljahr erneut um 14 000 gegenüber dem Vorjahr. Sie liegt jetzt inklusive Berufsschüler bei 313 000 und damit um 110 000 niedriger als 1991.

Rupprecht gab auch einen Überblick über die Reformen des Schuljahres. So gibt es von Klasse 3 bis 10 jetzt „Kopfnoten“ auf dem Zeugnis. Dort müssen die Lehrer vier Kategorien bewerten: Lern- und Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit und Sorgfalt, Ausdauer und Belastbarkeit sowie Selbstständigkeit. Auch das Sozialverhalten wird unter die Lupe genommen, in den Kategorien Kooperations- und Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit sowie Toleranz. Bewertet wird nicht mit Noten von 1 bis 6, sondern in vier Stufen von „hervorragend ausgeprägt“ bis „wenig ausgeprägt“. Ab Klasse 5 gibt es mehr Unterricht als bisher – zur Vorbereitung auf das verkürzte Abitur nach zwölf Jahren. Neu ist auch, dass in einigen Grundschulen Polnisch schon ab Klasse 1 als „Begegnungssprache“ und ab Klasse 3 als reguläre Fremdsprache geboten wird. Damit soll Polnisch als Fach gefördert werden.

Erfolgreich ist Brandenburg beim Ausbau der Ganztagsangebote: Es kamen 56 neue Schulen hinzu, so dass mehr als jede vierte der 846 öffentlichen Schulen den Kindern am Nachmittag offen steht. Insgesamt 131 Schulen sind in privater Trägerschaft – elf mehr als im Vorjahr.

Ungebremst ist der Ansturm auf die Gymnasien: 41 Prozent der Siebtklässler haben sich bei ihnen angemeldet, die übrigen an Ober- und Gesamtschulen.

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