SERIE WENDEKalender : 17. August 1989

Hütchenspieler erobern den Ku’damm, das Lager Marienfelde wird besichtigt.

Die Polizei will verstärkt gegen Hütchenspieler vorgehen. Banden aus Jugoslawien und vermehrt aus Polen prellen Touristen auf dem Ku’damm im Handumdrehen um 50 oder 100 Mark. Die Polizisten laufen öfter Streife und verteilen Handzettel mit Infos. Schätzungsweise 160 Spieler sind in Berlin aktiv. In Skopje im Süden Jugoslawiens soll es eine richtige Schule fürs Hütchenspiel und andere Taschenspielertricks geben.

Das Notaufnahmelager Marienfelde öffnet erstmals seine Tore der Öffentlichkeit. 50 Presseleute dürfen Flüchtlinge, die von der US-Militärmission ausgewählt wurden, nach ihren Erfahrungen befragen. Ein Elektriker aus Ost-Berlin schätzt die Anforderungen im Westen sehr realistisch ein: „Wahrscheinlich ist der Kraftaufwand hier größer als in der DDR. Drüben reicht es ja, den Mund zu halten.“ Das Reglement des Besuchs ist streng. „Fotografieren, filmen, herumlaufen streng verboten“, zitiert die „taz“ einen US-Sprecher. Offenbar ist die Angst vor Spionen immer noch groß. Ein „taz“-Fotograf war in der Vorwoche von einem DDR-Rentner und einem Passanten vor dem Lager festgehalten und der Lagerleitung übergeben worden. Er hatte lediglich einen vollbeladenen Trabbi fotografiert. loy

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