Boxen : Sonnige Aussichten für das Bombodrom

Der Deal klingt perfekt: Betreiber von Solar- oder Windparks erhalten Teilflächen von ehemaligen Truppenübungsplätzen und bezahlen im Gegenzug mit der Pacht und einem Teil der Stromerlöse die Munitionsentsorgung. In der Lieberoser Heide nördlich von Cottbus ging jetzt nach diesem Modell Deutschlands größte Sonnenenergieanlage ans Netz. Damit können nicht nur die Betreiber auf satte Gewinne hoffen, sondern auch die Anwohner ruhiger leben. Denn die russische Armee griff bei ihrem Abzug aus Ostdeutschland zwischen 1991 und 1994 zum einfachsten aller Mittel: Sie vergrub Millionen von Öl- und Benzinfässern, Tanks, Bomben, Granaten, ja sogar Teilen von Panzern oder Flugzeugen, kurzerhand in der Erde. Stolz präsentierten die Generäle dann den deutschen Behörden ihre „umweltgerecht“ gereinigten Plätze.

Doch die Zeitbomben blieben nicht lange unentdeckt. Irgendwann rostet schließlich jedes Fass und jeder Munitionsmantel durch und entlässt seinen Inhalt ins Grundwasser. In Lieberose, wo die Armee ein großes Lager mit chemischen Kampfstoffen im Wald zurückließ, ist die Gefahr einer Umweltkatastrophe nun wenigstens auf einem Teil des riesigen Übungsgeländes gebannt.

Was liegt also näher, als mit dem Bombodrom zwischen Neuruppin, Rheinsberg und Wittstock ähnlich zu verfahren? Hier liegt aller erdenkliche Kriegsschrott in bis zu sechs Metern Tiefe. Auf dem riesigen Areal gäbe es jedenfalls genügend Platz für Sonnenkollektoren, für die die inzwischen 14 Brandenburger Solarproduzenten Aufträge erhalten könnten.

Brandenburg würde dem Modell sofort zustimmen, heißt es von der Landesregierung. Doch das Bombodrom befindet sich im Unterschied zur Lieberoser Heide nicht in Landes-, sondern in Bundeseigentum. Die brutale Okkupation des Geländes in den fünfziger Jahren durch die Besatzungsarmee wurde paradoxerweise im Zuge des Einigungsvertrages 1990 sozusagen legalisiert. Das Bundesverteidigungsministerium aber hält sich mit Aussagen über die Zukunft des Platzes zurück und bringt nach dem erzwungenen Verzicht auf Bombenabwürfe nun sogar eine Nutzung durch das Heer ins Spiel.

Den geplagten Anwohnern ist der Unterschied zwischen Landes- und Bundeseigentum ziemlich egal. Sie haben ein Recht darauf, endlich die Heide zu entwickeln und friedlich zu nutzen. Ein Solarpark mit den erfreulichen Nebenwirkungen für die Munitionsentsorgung wäre ein erster kluger Schritt.

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