Boxen : SPD: Platzeck soll die Platte erobern

Ministerpräsident ist Direktkandidat in den Potsdamer Neubaugebieten – eine Hochburg der PDS

Michael Mara

Potsdam. Das rot-rote Duell um die Landeshauptstadt kann beginnen. Seit dem Wochenende ist es besiegelt: SPD-Partei- und Regierungschef Matthias Platzeck tritt bei der Landtagswahl als Direktkandidat in einem der für die SPD schwierigsten Wahlkreise des Landes an. Die Potsdamer Plattenbaugebiete sind seit DDR-Zeiten eine Hochburg der PDS. Zuletzt gewann PDS-Bundeschef Lothar Bisky hier das Direktmandat. Für ihn tritt diesmal der in Potsdam anerkannte PDS-Stadt-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg an, der bei der letzten Oberbürgermeisterwahl nur ganz knapp gegen Jann Jakobs (SPD) unterlag.

Dass Platzeck nicht im zweiten, etwas weniger schwierigen Potsdamer Wahlkreis antritt, der „bürgerlichen“ Innenstadt, ist der Strategie geschuldet: Die SPD traut nur ihrem Vorsitzenden zu, Scharfenberg zu besiegen. Sicher ist das zwar nicht. Wie die SPD landesweit auf Platzecks hohe Sympathiewerte setzt, um die Landtagswahl zu gewinnen, tut es die Potsdamer SPD auch. Auf der Nominierungskonferenz am Wochenende feierte sie Platzeck lange und heftig: Er hatte zuvor gegen PDS und CDU ausgeteilt. Der sich in den jüngsten Umfragen ausdrückende Vertrauensverlust der SPD bei der Bevölkerung spielte auf der Nominierungskonferenz und dem anschließenden Unterbezirksparteitag offiziell keine Rolle. Den meisten Genossen ist derzeit nicht nach selbstkritischer Diskussion zumute. Geschlossenheit ist angesagt.

Doch bei Gesprächen am Rande war immer wieder Ratlosigkeit zu spüren, ob und wie die SPD bis zum 19. September aus ihrer Krise kommen kann. „Das wird länger dauern“, lautete eine verbreitete Befürchtung. Immerhin setzte die Potsdamer SPD Zeichen der Erneuerung und Verjüngung: Als Direktkandidatin für die Innenstadt wurde die 28-jährige Klara Geywitz nominiert. Die Vize-Fraktionschefin im Stadtparlament ist die jüngste Direktkandidatin der SPD bei den Landtagswahlen überhaupt. Sie gehört zur neuen Generation sozialdemokratischer Kommunalpolitiker, die die alte, verschlissen und lustlos wirkende Garde aus der Stolpe-Ära ablösen soll.

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