Statistik : Mehr junge Kriminelle

Die Zahl der jungen Gewalttäter in Brandenburg ist weiter angestiegen. Dies geht aus einer Statistik des Landeskriminalamtes hervor.

Peter Tiede

PotsdamIn Brandenburg leben zwar immer weniger Jugendliche – aber die, die noch da sind, werden offenbar immer gewaltbereiter. Das geht aus einer dem Tagesspiegel vorliegenden Statistik des Landeskriminalamtes Brandenburg hervor. Darin wurden die Gewaltdelikte von je 100 000 Jugendlicher verglichen. Das erschreckende Ergebnis: Seit 2004 stieg der Anteil der Gewalttäter unter den unter 18-Jährigen um mehr als ein Drittel an. Waren im Jahr 2004 noch 979 von 100 000 Jugendlichen als Gewalttäter aufgefallen, so waren es im Vorjahr 1343. Bei den 18- bis 21-Jährigen stieg die Zahl geringfügiger an – von 1018 auf 1166 je 100 000 Heranwachsende.

Innenministerium und Kriminalexperten verweisen zwar darauf, dass die Bereitschaft, Straftaten anzuzeigen, gestiegen sei. Aber als Hauptgrund gilt die Abwanderung: „Drastisch ausgedrückt bedeuten die Werte, dass die ,Guten’, die gut Ausgebildeten, gehen und wir besonders auf dem Lande zunehmend mit dem Rest fertig werden müssen“, sagte ein ranghoher Beamter.

In Brandenburg wurde im Vorjahr fast die Hälfte aller Gewaltdelikte von jungen Menschen unter 21 Jahren begangen. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) in Brandenburg fordert daher von den Innenministern der Länder und des Bundes neue Konzepte zur Bekämpfung der Gewaltkriminalität. BDK-Landeschef Wolfgang Bauch setzt auf „hohen Verfolgungsdruck“ zur Täterermittlung und eine schnelle juristische Ahndung der Taten – auch in Brandenburg. Dazu sei eine ausreichende und flächendeckende Personalausstattung in Jugend- und Staatsschutzkommissariaten bei Kripo, Staatsanwaltschaften und Gerichten notwendig. Er kritisierte in diesem Zusammenhang die Umstrukturierung der Kriminalpolizei in Brandenburg, bei der „knapp 400 Stellen“ wegfielen. Denkbar, so Bauch, seien zudem „Jugendstreifen“ in städtischen Ballungsräumen zur Durchsetzung der Jugendschutzbestimmungen oder der Schulpflicht.

Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) will, dass sich die Polizei vermehrt um sogenannte Schwellentäter kümmert, die von einer kriminellen Karriere noch abgebracht werden können. So sollen künftig nicht nur die etwa 530 in Brandenburg registrierten sogenannten Intensivtäter von den Jugendkommissariaten und Spezialkräften der Polizei „betreut“ werden. 

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