Boxen : Streit um Autobasar in Bernau

Weißrusse will riesigen Gebrauchtwagenmarkt einrichten. Anwohner fürchten die „Mafia“

Olaf S,ermeyer

Bernau - Nordöstlich von Berlin wird der größte Autobasar Deutschlands entstehen – die „Autostadt Bernau bei Berlin“. Am dortigen Stadtrand, an der Bundesstraße 2, will der weißrussische Investor Yuryi Averyanow auf einem 30 Hektar großen ehemaligen Militärgelände Käufer und Verkäufer von Gebrauchtwagen zusammenbringen. 4000 Stellplätze sind geplant, dazu eine Waschanlage, ein Gelände für Probefahrten, ein Restaurant, ein Hotel und eine Werkstatt. Die Anbieter und Kaufinteressenten sollen sich auf dem „Basar“ wie auf einem Flohmarkt treffen – und wie dort müssten die Verkäufer eine „Standgebühr“ zahlen.

Doch einige Bernauer fürchten, dass mit der Autostadt auch „die Russenmafia“ kommt. Andere, wie ein benachbarter Volkswagenhändler, hoffen hingegen auf zusätzliche Geschäfte durch die Autostadt. Bereits im April hatte Yuryi Averyanows Berliner Firma Avetrade GmbH das Gelände von der Stadt gekauft. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Aber inklusive der Sanierung des Geländes – einer früheren Militärbrache – habe er eine Million Euro ausgegeben, sagt der Unternehmer.

„Wir wollen 80 Mitarbeiter einstellen, und rechnen mit 300 Kleingewerbe-Treibenden, die sich hier ansiedeln“, kündigt er an. Ob er seine Mitarbeiter im Umland anwerben werde, ließ er offen. „Zumindest hat er bei der Planung ein Architekturbüro aus der Region berücksichtigt“, sagt die Pressesprecherin des Bernauer Bürgermeisters Hubertus Handke (CDU), Eva Marie Rebs. Die Stadt wolle die Autostadt, sagt sie, „weil das Areal seit zehn Jahren brach liegt“.

In der Ruhrgebietsstadt Essen gibt es einen ähnlichen Automarkt. Auch dort kommt der Betreiber aus Weißrussland. Das Geschäft läuft gut – aber „für diesen Standort kann man auf jeden Fall sagen, dass sich ein kriminelles Milieu angesiedelt hat“, sagt Kay Süsselbeck. Der Journalist von der Westdeutsche Allgemeine Zeitung hat über einen Autohändler berichtet, der während einer Probefahrt erschossen wurde. „Das war natürlich ein Einzelfall. Kleinere Delikte kommen regelmäßig vor, werden aber meistens unter denjenigen geklärt, die sich auf dem Markt tummeln.“ Die meisten Autos, die dort verkauft werden, gehen gleich weiter: „Nach Weißrussland, ins Baltikum, die Ukraine und nach Polen.“ Das ist von Bernau aus innerhalb einer guten Stunde zu erreichen, über die Autobahnen A 11 und A 10. Auch in der Berliner Beusselstraße funktioniert ein Automarkt nach diesem Konzept; wenn auch in kleinerem Maßstab.

„Der Investor hat uns ein gutes Sicherheitskonzept vorgelegt“, wehrt sich Stadtsprecherin Rebs gegen den Vorwurf, hier einen Kriminalitätsschwerpunkt zu schaffen. Auch die Bernauer Stadtverordnete Elke Keil (SPD) ist für den Autobasar. „Und wenn Probleme auftreten, bin ich mir sicher, dass die Polizei sie löst.“

Am späten gestrigen Abend entschieden die Bernauer Stadtverordneten mit 19 „Ja“ gegen sechs „Nein“-Stimmen für das Projekt.

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