Boxen : "Sunnyboy der Uckermark" sitzt ab morgen auf der Anklagebank

Claus-Dieter Steyer

Wer ihn als "Sunnyboy der Uckermark" ansprach, konnte mit einem Lächeln rechnen. Er fühlte sich geschmeichelt und bestätigt. Mit seinem durchtrainierten und stets gut gebräunten Körper, den schwarzen Locken und dem gepflegten Schnauzbart war er im nordöstlichen Landeszipfel Brandenburgs, an der Grenze zu Polen, gut bekannt. Hauptamtlich leitete Hartmut Wohlthat das aus mehreren kleinen Gemeinden gebildete Amt Gartz. Doch er mischte auch in allerlei anderen Gremien kräftig mit, brachte als Mann an den Reglern so manche Dorfdisko zum Kochen, rief zu einem Hungerstreik gegen die geplante Schließung der Abfahrtsstelle für Butterfahrten auf der Oder auf und fühlte sich überhaupt zu höheren Aufgaben berufen.

Doch daraus wird vorerst nichts. Ab morgen steht der 48-Jährige vor dem Landgericht in Frankfurt (Oder). Die Staatsanwaltschaft Neuruppin - in Brandenburg auf Korruptionsfälle spezialisiert - wirft dem CDU-Politiker Bestechlichkeit im Amt vor.

"Man tut, was man kann", antwortete Wohlthat einmal auf die Frage nach seinem Lebensmotto. Das war einige Zeit vor seiner Verhaftung im August vergangenen Jahres. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. "Die Staatsanwaltschaft vermutet eine massive Einschüchterung einer polnischen Zeugin", begründete Oberstaatsanwalt Gert Schnittcher damals den Haftbefehl. Der Prozess gegen Wohlthat ist der bislang spektakulärste Fall der Behörde. Sie kam dem inzwischen suspendierten Amtsdirektor offenbar durch die Aussage einer aus dem polnischen Kolobrzeg (Kolberg) stammenden jungen Frau auf die Schliche, die nach eigenen Aussagen zunächst dem Charme des "Sunnyboy" erlegen war. Sie habe im Auftrag Wohlthats ein Restaurant in Kolberg geführt - bis es irgendwann Streit um Geld gab. Die Polin lief in Deutschland zur Polizei und erzählte dort von einem illegalen Deal des allerorten geschätzten Kommunalpolitikers. Ihre Aussagen führten zu der jetzt viele Seiten zählenden Anklageschrift. Darin wird Hartmut Wohlthat vorgeworfen, im Jahre 2000 von den Managern einer Firma für Windkraftanlagen 24 000 Mark erhalten zu haben. Als Gegenleistung habe er in der zu seinem Amt gehörenden Gemeinde Schönfeld für diese Firma geworben, obwohl ein anderes Windkraft-Unternehmen bereits den Zuschlag bekommen hatte. Dieser wurde plötzlich zurück genommen - die von Wohlthat in höchsten Tönen gelobte Firma machte das Rennen.

Die Transaktion lief über das Konto der polnischen Zeugin, die für ihre Hilfe mit 1 000 Mark entlohnt wurde. Auf die Anzeige der Polin folgten Hausdurchsuchungen in Wohlthats Amts- und Wohnräumen sowie im Büro der Windkraftfirma. Deren beiden Manager stehen nun ebenfalls vor Gericht. Im Falle einer Verurteilung muss Hartmut Wohlthat mit Strafen zwischen einem Jahr und zehn Jahren Haft rechnen.

In Justizkreisen ist der umtriebige Wohlthat kein unbeschriebenes Blatt mehr: Schon im Jahre 2000 war gegen ihn wegen Führens schwarzer Kassen im Amt Gartz eine Geldbuße verhängt worden. Ungemach droht auch von der für Kolobrzeg zuständigen Staatsanwaltschaft. Beim Kauf des Restaurants sollen ebenfalls Schmiergelder geflossen sein.

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