Boxen : Tabakernte: Blatt für Blatt in Handarbeit

Stefan Adam

Auf Brandenburgs Feldern läuft die Tabakernte auf Hochtouren. In großen Erntemaschinen, die riesigen Blechwürfeln gleichen, sitzen die Helfer und sammeln die Blätter ein. "Alle Tabakproduzenten konnten dank günstiger Witterungsbedingungen schon die ersten Erträge von den Feldern holen", sagt Kurt Zeretzke, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Nordost-Tabak in Schwedt (Kreis Uckermark).

Die bis zu zwei Meter hohen Pflanzen werden von unten nach oben abgeerntet. Dabei gibt es bis zu sieben Durchgänge. Nur so genannter Hangtabak erreicht erfahrungsgemäß erst Mitte August seine Reife. "Was auf den Feldern steht, ist im Vergleich zu anderen Jahren sehr gut", sagt Zeretzke. Mit 80 Prozent macht der Zigaretten-Tabak Virgin den Löwenanteil auf den Feldern aus.

Auf knapp einem Fünftel der Flächen wird in der Erzeugergemeinschaft die Sorte Geudertheimer angebaut. Diese Blätter, aus denen Zigarren gerollt werden, sind äußerst gefragt. Ihre Verarbeitung per Hand ist aufwendig: So trocknet dieser Tabak monatelang an der Luft und dörrt nicht etwa in Heißluftöfen.

In den fünf neuen Ländern, für die die Nordost-Tabak zuständig ist, bewirtschaften nur noch 290 Tabakbauern eine Anbaufläche von 515 Hektar. Allein in diesem Jahr haben 30 Nebenerwerbslandwirte den Tabakanbau aufgegeben. "Das hat seine Ursachen in der Altersstruktur der Pflanzer und dem großen Aufwand an Handarbeit", sagt der Fachmann. Die Anbaufläche sei aber in der Region stabil geblieben, da andere Agrarunternehmen die Produktion übernommen haben.

Auch die Milgeta Agrar GmbH im uckermärkischen Vierraden baut keinen Tabak mehr an. "Tabak ist zwar in der Region stark verbreitet, machte aber nur etwa zehn Prozent unseres Umsatzes aus", sagt Marie-Luise Molzahn, Geschäftsführerin des Unternehmens mit vier Millionen Mark Jahresumsatz. Unter anderem wegen Witterungsschäden rechnete sich der Anbau nicht mehr. Die Produktion wurde in die neu gegründete Uckermark Tabak GmbH ausgegliedert. Tabak aus Vierraden wirdin Süddeutschland, Frankreich und in Tschechien zu Zigaretten oder Zigarren verarbeitet.

In der Uckermark ist der Tabak seit 300 Jahren zu Hause. Die Hugenotten hatten die Pflanze der Gattung "Nicotiana" mitgebracht. Die Region im Nordosten Brandenburgs ist neben der Pfalz und Baden das dritte große Tabakanbaugebiet in Deutschland. Der Leiter des Landwirtschaftsamts im Landkreis, Ehrenfried Hartwig, sagt: "Der Tabak als Sonderkultur ist eine Bereicherung unserer Landwirtschaft."

Nicht nur die hünenhaft großen Pflanzen, sondern auch die historischen Tabakspeicher, in denen die kostbaren Blätter getrocknet wurden, prägen das Bild der Landschaft. Ein berühmtes Exemplar in Vierraden steht unter Denkmalschutz. Dort gibt es auch ein Tabakmuseum.

"Vor allem mit Qualitätstabak lassen sich heute gute Preise erzielen", sagt der Geschäftsführer von Nordost-Tabak. In Anbetracht der derzeitigen Witterungsbedingungen warnt er vor den Gefahren durch Blauschimmel. "Die gefürchtete Tabakkrankheit kann innerhalb von zwei Tagen einen ganzen Bestand vernichten", erläutert Zeretzke. Deshalb seien ständige Kontrollen nötig.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben